Mein erstes Mal auf einer Startup-Konferenz – der #DWNRW -Summit 2017

Digitalisierung der Bestattungsbranche vs. Digitalisierung des (privaten) Alltags vs. Digitalisierung in anderen Branchen und in weltweit agierenden Konzernen

Themen ohne Ende:

Digitale Wirtschaft, Industrie 4.0, Datensicherheit, Kindertaugliche Smartphone, Mealmatch, Konferenzen in der Virtual Reality, Pitchen wie ein Profi, Marketing-Strategien, Innovative Unternehmensstrukturen und Personalführung ohne Hierarchien

Und mitten drin ich – Bestattermeister, Wirtschaftspsychologie-Student und Mitarbeiter eines Start-ups, das wenig mit all den hier vertretenen Unternehmen zu tun hat, außer dass vielleicht auch wir mal in der METRO einkaufen oder Telefonie über VoIP nutzen und unser Anbieter (www.sipgate.de) sich hier auch präsentiert. Aber nun gut die Idee dieses Gipfels ist super und das angekündigte kostenlose Essen hörte sich super an (war es auch – ich liebe Streetfood)

Also auf geht’s der erste Vortrag beginnt: Der „Speaker“ ein Principal, New Products bei Google Deutschland zum Thema Digitale Bildung als Wirtschaftsmotor.
85% der Jobs in 2030 gibt es heute in der Art noch nicht, quasi alle erfordern „digital skills“:

Schulen sind darauf nicht vorbereitet, aber Google bietet die „Zukunftswerkstatt“ als Lern-Plattform an.
Man lernt durch’s Scheitern und auch Google hat zahlreiche Projekte und Plattformen eingestampft … soweit alles nichts neues, aber sehr prägnant und gut dargestellt. Mal sehen, wie es weitergeht …

Und schnell weiter zum zweiten Vortrag, auf den freue ich mich wirklich:
Pitchen wie ein Profi von Felix Thönnessen (Die Höhle der Löwen) – wie präsentiert man etwas und sich, wie macht man ein anderes frisches Marketing?
Der Referent, ein Komödiant und Entertainer par excellence! Tolle Beispiele, Geistreiche Witze und super Beispiele. „Tinder, die App die kaum jemand kennt und keiner nutzt – auf der man aber doch alle findet.“
„Kann Spuren von Feinstaub enthalten“ (Einhorn, da stand beim Pitch tatsächlich jemand im EInhornkostüm vor den Investoren?!)
Es gibt zahlreiche weitere gute Beispiele, alle haben folgendes gemeinsam: Anders sein, als andere. vorhandenes einfacher und intuitiver machen als bisheriges und authentisch sein. Haken dran, das machen wir.

Kaffeepause: Einen alten Schulfreund, gesichtet: Er:„Was digitalisiert denn ein Bestatter?!“ Ich: „Warte ich zeig es dir, auf deinem ollen Laptop, auf meinem iPad oder auf deinem Handy?“
Also iPad raus und los – www.pacemo.de, „hier mach einfach mal“. Und er macht. „Das ist ja genial, einfach und schnell. Bisher macht ein Bestatter das alles wie ?“ Fabian W., Maschinenbau-Student, kann auf anhieb einen Sterbefall in der EDV bearbeiten ohne die Branche zu kennen. Geht es intuitiver ?! Zum Glück gehört viel mehr dazu Bestatter zu sein! Nach einer kurzen Beschreibung welche anderen Programme manche Bestatter bisher nutzen versteht er nicht, warum „Also ich würde sofort wechseln, zumal ihr ja auch meine alten Daten einpflegt …“

Nächster Vortrag: Ja, die Idee Mitarbeiter so einzubinden, teilhaben zu lassen und zu informieren, wie der mir unbekannte Mensch da vorne auf der Bühne erzählt, das macht Sinn: Mobiles, ortsunabhängiges Arbeiten, flache Hierarchien, kreative Pausen und ständiges, lebenslanges Lernen, ja definitiv.
Auf zu Vortrag Nummer 4 …

Eine Minute im Internet im Jahr 2017

156 Millionen E-Mails
16 Millionen Text-Nachrichten
4,1 Millionen YouTube-Videos angeschaut
70.017 Stunden auf Netflix
40.000 Stunden auf Spotify gehört
750.000 US-Dollar beim Online-Shopping ausgegeben 342.ooo Apps heruntergeladen
120 neue LinkedIn-Konten eröffnet
15.000 GIF-Dateien über Messenger versendet
46.200 Fotos auf Instagram hochgeladen
452.000 Tweets abgesetzt
900.000 Facebook Logins durchgeführt
990.000 Swips bei Tinder getätigt
1,8 Millionen Snaps abgesetzt

Und bei Pacemo oder Bestattungen ? Naja, in nicht allzu ferner Zukunft werden die Leute Ihre obigen Gewohnheiten auch auf Bestattungen übertragen, in welcher Form auch immer …

Und Moment – 990.000 Swips bei Tinder getätigt – die App hat doch keiner? Dieser „keiner“ schafft in 60 Sekunden ja viele Bewegungen mit seinem Finger ….

Mittagspause -machen wir es kurz: köstlich!

Ein Gang über die kleine Messe und mal kurz bei den Pitches reinsehen. Es gibt wirklich viele Ideen zu mir nicht bekannten Problemen, mal sehen von welchen Start-ups man da mal was hören wird … Diese Idee interessiert mich aber: Virtual Reality zum Ersatz aufwendiger Konferenzen und langer Flüge um mehrere Geschäftsleute zusammen zu bringen, um mehrere Ingenieure an einem Modell arbeiten zu lassen und vieles mehr. Man kann es ausprobieren also gehen Fabian und ich in den Virtuellen Konferenzraum öffnen eine virtuelles 3D-Modell in seine Einzelteile – eine dreidimensionale bewegliche Explosionszeichnung, zum anfassen, abändern und markieren- WOW! In der freien Luft mitten im Raum stehend an ein nur digital vorhandenes Whiteboard schreiben, den theoretisch 20.000 Kilometer entfernten Teilnehmern fast gegenüberstehen.

Gut weder für Bestatter noch für Zulieferer der Branche fällt mir spontan eine wirklich effiziente und sinnvolle Nutzung ein, aber vielleicht gibt es ja etwas?

Auf in den für mich letzten Beitrag ehe es nach Hause geht.

Digitale Transformation

METRO – da gehe ich einkaufen, ja da gibt sicherlich ein paar Sachen, die man mal digitalisieren könnte …
Aber die METRO macht wohl viel mehr als ich bisher dachte und haben daher natürlich auch in vielen Bereichen Bedarf nach Digitalisierung und das in einem Umfang, einer Vielzahl und Komplexibilität, die mir nicht klar war und die ich auch schwer beschreiben

kann. Aber es scheint mir an der Stelle unvorstellbar wie man das alles umsetzen kann – erstaunlicherweise kriegen die es wirklich gut hin!

Fazit:

Die Bestattungsbranche ist vielseitig, absolut lokal verwurzelt und damit regional sehr unterschiedlich. Die Betriebe variieren in ihren Größen und Strukturen sehr, jedoch ist keines mit einem „Global-Player“ oder Konzern mit zig Tausend Mitarbeiter vergleichbar. Aber:
… dennoch lohnt sich immer ein Blick über den Teller hinaus ein „outside-the-box“- Denken, um aus anderen Bereichen zu adaptieren, von Kleinstunternehmen aber auch von Google oder Apple kann man sich etwas abgucken: „Don’t copy the tools, copy the principles.“ (W. Edwards Deming)
… dennoch ist das Streben nach Perfektion und Effizienz mindestens genauso ausgeprägt. Damit eignet sich die Branche zu einer Vorreiter- und Vorbildrolle für andere Gewerke mit smarten, mobilen und agilen Lösungen, um die Konzerne a la Metro oder mittelständische produzierende Unternehmen uns nur beneiden können. Es ist nicht nötig Programme auf Basis von OS 400 von IBM aus dem Jahr 1988 (ja, sowas ist tatsächlich noch im Einsatz) zu nutzen, der Umstieg ist einfach und zukunftsweisend.
„Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt auch nicht die intelligenteste, sondern eher diejenige, die am ehesten bereit ist sich zu verändern.“ – wusste schon Charles Darwin.

BEFA 2017: Unsere Geheim- und Insidertipps für Hamburg

Unsere Lieblingsplätze in Hamburg auf einer Karte

Wir müssen Ihnen nicht erzählen, wie groß unsere Freude darüber ist, dass die diesjährige BEFA Forum 2017 in der Heimatstadt von Pacemo – in Hamburg stattfindet. Stattdessen haben wir die Köpfe zusammen gesteckt und unsere Lieblingsplätze in und Geheimtipps für Hamburg zusammen getragen. Unter diesem Link haben wir eine Karte auf Google maps für Sie bereitgestellt.  Die Karte darf auch gerne geteilt werden!

Vorweg haben wir noch ein bisschen Insider Wissen gesammelt, damit Sie nicht – wenn Sie wollen – direkt als „Touri“ auffallen.

In Hamburg sagt man Moin

Wer meint, man könne Moin einfach durch ein „Hi“ ersetzen, der hat den eigentlichen Sinn der hanseatischen Grußformel nicht erfasst. Denn Moin steht für weitaus mehr als nur eine schlichte Begrüßung. Es ist ein herzlicher, kurzer Gruß, der zu jeder Tages- und Nachtzeit gebraucht wird (und was bei Fremden oftmals für Verwirrung sorgen kann). Also, nur zur Erklärung für alle Nicht-Hanseaten: Moin bedeutet nicht „Morgen“, sondern ist ein Ausdruck der hanseatischen Warmherzigkeit. Jawohl, auch der Hamburger ist herzlich. Er zeigt es nur nicht so impulsiv, wie seine südlichen Kollegen.

Wie haben es die Beginner so treffend in ihrem Song beschrieben? „Nicht mit jedem reden und nicht jeder Sau trau’n. Wir brauchen halt ’ne kleine Weile bis wir auftau’n“. 

Regenschirm? Nein danke.

Wir Hamburger sind mit dem Mantra „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.“ aufgewachsen. Und das hat unser Geschäftsführer und Chef-Entwickler Lennart Guth schon so manches Mal an die Ohren bekommen, als er sich mal wieder über das schlechte Hamburger Wetter beschwert hat. Denn wer sich über’s Wetter beklagt, hat sich laut Volksmund einfach nur schlecht angezogen. Aber Vorsicht: auch wenn man es denken könnte, ein Regenschirm hat der echte Hamburger eher selten dabei. Denn generell gilt: Wenn jemand bei Regen einen Regenschirm oder eine Kapuze trägt, kommt er nicht aus Hamburg.

Der Veranstaltungsort

Hamburg Landungsbrücken

Der Veranstaltungsort der Bestattungsfachmesse ist wirklich ein besonderer. Der aufwändig saniert und modernisierte Kaischuppen aus der Kaiserzeit bietet auf 6000 Quadratmetern Platz für bis zu 3000 Besucher. Der Schuppen 52 liegt direkt am Wasser und bietet einen Traumblick über die Elbe auf den gesamten Hafen- und Innenstadtbereich von Hamburg.

Zwar könnte man denken, dass man schnell in der gegenüber fast greifbaren Innenstadt ist, allerdings ist es gar nicht so einfach dort hin- und auch wieder wegzukommen. Der Schuppen 52 liegt nämlich in einem kleinen Seitenarm des Binnenhafens auf der sogenannten Vettel.

Aus diesem Grund hat der Veranstalter einen Shuttle-Servive eingerichtet. Er startet ab 08:48 Uhr alle 30 Minuten vom Hauptbahnhof über Messberg und die Landungsbrücken zum Schuppen 52 und wieder zurück. Die Haltestellen liegen fast alle in der Nähe unserer folgenden Sehenswürdigkeiten.

Der Ausgangspunkt vieler unserer vorgeschlagenen Geheimtipps ist daher passend die Station Landungsbrücken.

Tipp von Mayka Engelmann: ein Fußweg durch den alten Elbtunnel (beginnt am Parkdeck bei den Landungsbrücken). Das kostet nichts und ist wirklich beeindruckend. Mit dem alten Fahrstuhl kann man sogar noch Autos befördern. Am Anleger Steinwerder kann man die Fähre zurück nehmen oder dem Musical-Theater einen Besuch abstatten.

HVV-Fähren vs. Hafenrundfahrten

Kommt man mit der U- oder S-Bahn an den Landungsbrücken an, versuchen hanseatische Seebären Sie für eine Hafenrundfahrt zu begeistern. Man hat die Wahl zwischen vielen Anbietern, die von kleinen Barkassen-Touren durch die historische Altstadt über Lichterfahrten im Dunklen, bis hin zu großen Hafenrundahrten mit einem Schaufelraddampfer reichen.

Unsere Gründer am Dockland

Tipp: Aus Insider-Sicht lohnt sich eine kleine Hafenrundfahrt durch die historische Altstadt, vor allem wegen der Kapitäne. Sie haben den schönsten Hamburger Schnack drauf und machen so eine Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis. Eine Liste der Anbieter finden Sie hier: http://www.hamburg.de/hafenrundfahrt/

Tipp von Timm Wienberg: Mit den öffentlichen Fähren der Hamburger Hochbahn kann man viel günstiger und auf eigene Faust die Stadt zu Wasser erkunden. Die Fähre 62 legt an den Landungsbrücken (Brücke 3) ab und fährt den ganzen schönen Weg über den Fischmarkt (wo unser Büro liegt), weiter an den Docklands vorbei nach Finkenwerder. Zurück kann man entweder die gleiche Fähre nehmen und landet wieder an den Landungsbrücken.

Tipp von Mayka Engelmann: Die Fähre 62 bei der Haltestelle Övelgönne/Neumühlen verlassen und zu Fuß weiter den Elbstrand Richtung Strandperle entlanglaufen. Dort ein kühles Bierchen (oder einen heißen Kakao) trinken und die Sonne im Liegestuhl (oder unter dem Vordach) genießen.

Zurück kann man entweder wieder die Fähre nehmen (die 72 fährt direkt zur Elphilharmonie) oder am Wasser entlang zurück laufen. Dann kommt man am Dockland vorbei und kann noch mal die Aussicht von dem riesigen Gebäude, das aussieht wie ein Kreuzfahrtschiff, bestaunen. Ein super Fischbrötchen zur Stärkung bekommt man beim Atlantik Fisch- & Meeresspezialitäten.

Michel – Stufen zählen und Panorama genießen

Panorama Blick auf Hamburg

Wenn Sie gar nicht genug von der schönen Aussicht bekommen können und es nicht zu bewölkt ist, lohnt sich ein Besuch beim Michel. Man ist von den Landungsbrücken zu Fuß in 10 Minuten da. Der „Michel“ (St. Michaelis) ist eine historische Kirche im Herzen der Neustadt. Die Hauptkirche ist ein altes Wahrzeichen der Stadt und für seine Akustik und das spektakuläre Panorama auf der Turmspitze bekannt.

Tipp von Lennart Guth: den Turm besteigen (Eintritt 5 €) und die Stufen zählen. Lennart hat 452 gezählt. Man kann aber auch bequem den Fahrstuhl nehmen. Das empfehle ich vor allem, wenn man körperlich nicht ganz fit ist, denn es ist schon anstrengend die Spitze zu erklimmen. Oben angekommen, wird man jedoch mit einer 180-Grad-Sicht auf die Stadt Hamburg belohnt.

Tipp von Mayka: In dem Viertel rund um den Michel, das auch als Portugiesen-Viertel bekannt ist, finden sich zahlreiche gute portugiesische und spanische Restaurants, in denen man zu fairen Preisen ein Mittagstisch zu sich nehmen kann.

Speicherstadt und Hafen City

Ist man schon mal an der „Waterkant“ (Wasserkante) unterwegs, lohnt sich ein Abstecher in die Speicherstadt – der historische Teil der Altstadt, der in die Hafen City führt. Im Kesselhaus können Sie sich einen Kaffee zu Gemüte führen und noch ein bisschen ihr Wissen vertiefen. Denn im dort untergebrachten Hafen City Info-Center können sich Besucher umfassend über Planung und Entwicklung des größten innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekts Europas informieren.

Insider-Tipp: auch für Hamburger ein beliebter Ort zum Schlemmen und Entspannen: die Kaiserperle am Kaiserkai 47 (Wasserseite). Aber Achtung: bei Schietwetter ist die Perle geschlossen.

Tipp von Mayka: Da das Hamburg Dungeon, in dem der Besucher eine Grusel-Reise durch die Vergangenheit macht, wohl keinen Bestatter aus der Fassung bringt, lohnt sich ein Besuch nebenan im Miniatur Wunderland. Es ist die größte Modelleisenbahn der Welt und man kann sogar die Elbphilharmonie im Mini-Format bestaunen. Bei beiden mit langen Wartezeiten rechnen oder online reservieren.

Von hier aus ist es auch nur noch ein Katzensprung zur echten Elbphilharmonie.

Man nennt sie liebevoll die „Elphi“

Von den Hamburgern „Elphi“ genannt

Auch wenn das langjährige Bauprojekt bisher Unmengen an Geld (Endstand: 789 Millionen) verschlungen hat – die Hamburger lieben Ihre Elbphilharmonie. Erst im Januar wurde sie nach ungefähr 10 Jahren Planungs- und Bauzeit offiziell eröffnet. Obwohl der Bau höchst umstritten und von vielen Skandalen begleitet war, kommt die Elbphilharmonie bei Touristen und Hamburger gleichermaßen gut an. Die Konzerte sind heute schon ein Jahr im Voraus ausgebucht und die Hamburger nennen sie bereits liebevoll ihre „Ephi“.

Tipp von Timm: die Besucher-Plattform „Plaza“, auf der man einen tollen Blick über den Hafen hat. Um lange Wartezeiten zu vermeiden, reserviert man am besten schon online einen Time-Slot. Am besten erreichbar ist sie zu Fuß von den Landungsbrücken oder mit der Fähre 75.

Nun hat man eigentlich schon einen kompletten Tag gefüllt. Doch was kann man am Abend in Hamburg erleben?

 

Was macht der Hamburger Abends? Er isst einen Hamburger.

Vor allem in den letzten Jahren hat es eine große Welle an Burgerläden gegeben. Dieser Hype hat erfreulicherweise aber dazu geführt, dass sich nur die wirklich Guten halten konnten.

Hamburger lieben Burger

Hier eine Liste von Burger-Läden, die sich in der Umgebung unserer Lieblingsplätze befinden:

The Bird, Trommelstraße 4, St. Pauli (nicht weit von den Landungsbrücken). Kneipenambiente und saftige Burger. Reservierung empfohlen! Von hier aus lohnt sich ein kurzer Besuch auf der Reeperbahn.

Brooklyn Burger Bar, Alter Fischmarkt 3, Neustadt (Nähe Speicherstadt). Coole und entspannte Atmosphäre und Weltklasse Süßkartoffel-Pommes zum Avocado-Burger. Von hier aus lohnt sich ein Verdauungsspaziergang an die Binnenalster.

Dulf’s Burger, Karolinenstraße 2, Karo-Viertel (St. Pauli/Schanze, 20 Minuten Fußweg von den Landungsbrücken). Bei Dulf’s müssen Sie Ihren Burger vermutlich im Stehen oder to-go genießen, will er sehr beliebt ist. Es lohnt sich aber. Von hier aus ist man in 10 Minuten im Park „Planten und Blomen“.

Tipp von Lennart: Die Wasserlichtkonzerte im Park „Planten und Blomen“. Ab Mai findet dort immer Abends um 22 Uhr eine tolle Wasserlichtshow – mit Orchester untermalt – statt. Aktuell ist Filmmusik-Saison.

Tipp von Mayka: Bei einem Cocktail im Beachclub Strand Pauli den Sonnenuntergang genießen. Hier spielt oft noch ein DJ und man kann die Füße in den Sand stecken und den Messetag ausklingen lassen.

Das Beste kommt zum Schluss:

Ein Friedhofsbesuch. Natürlich lohnt sich auch eine S-Bahnfahrt zu Europas größtem Parkfriedhof in Hamburg Ohlsdorf. Falls Sie da noch nie gewesen sind, ist das für Sie als Bestatter eine Pflicht-Sehenswürdigkeit! Neben den tollen Anlagen und der einzigartigen Ruhe, können Sie den Gräbern berühmter Literaten und Künstlern einen Besuch abstatten. Vielleicht finden Sie ja sogar noch ein bisschen Inspiration;-)

 

 

 

Interview Anika Oppermann: „Bestatter sind die humorvollsten Menschen“

In den letzten Jahren sind Bestatter immer mehr in den Fokus von Film und Fernsehen gerückt. Die Folge: der Beruf ist zum Trendberuf geworden. Die mediale Darstellung geht dabei aber oftmals sehr in eine Richtung: männlich, mittleres bis höheres Alter, stets souverän, eher still und immer pietätvoll.

Doch auch immer mehr junge Frauen führen den Beruf mit viel Leidenschaft und Offenheit aus. Zwar ist der Beruf oft traurig, bringt aber auch viel Freude und Anerkennung. Und als junge Bestatterin hat man spätestens nach der Frage „und was machst du so?“ auf einer Party die volle Aufmerksamkeit.

So ergeht es manchmal auch Anika Oppermann. Sie ist vor kurzem von Berlin nach Hamburg gezogen und arbeitet seitdem im Hamburg Leuchtfeuer Lotsenhaus als Bestatterin. Dass sie sich so gut aufgenommen fühlt, liegt vor allem an dem tollen Umgang unter ihren Kollegen und vermutlich auch an dem geborgenen und gemütlichen Ambiente, das das Lotsenhauses ausstrahlt. Warum der Beruf keineswegs nur ein trauriger Beruf ist, hat sie uns in einem persönlichen Interview erzählt.

Lostenhaus heller großer Raum

Großer heller Raum für Trauerfeiern im Lotsenhaus

Wie bist du zum Beruf der Bestatterin gekommen?

Ich wollte keine stupide Bürotätigkeit machen. Glücklicherweise habe ich ein Angebot bekommen, die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft zu absolvieren. Also habe ich erstmal ein dreimonatiges Praktikum gemacht, um herauszufinden, ob mir das liegt. Da ich keine Berührungsängste hatte, habe ich das Angebot auch direkt angenommen. Außerdem war ich wirklich fasziniert von der Vielseitigkeit des Berufes. Die ganze Organisation, der kreative Part, die Beratung, der Kontakt mit Menschen – das deckt viele Bereiche ab.

 

Für dich Berufung oder Beruf?

Eindeutig Berufung! Ich würde nie wieder etwas Anderes machen wollen. Ich bin mir meiner Arbeit sehr sicher. Es gibt sehr viele Vorurteile um das Berufsbild. Natürlich bestimmt viel Trauer den Berufsalltag. Aber deshalb weinen wir ja nicht den ganzen Tag. Bestatter sind die humorvollsten Menschen, die ich kenne! Meine Kollegen und ich lachen sehr viel zusammen.

Kann es sein, dass Humor eine Art der Bewältigungsstrategie ist?

Vielleicht bei manchen… Ich aber war schon immer ein Mensch, der gerne lacht. Mir ist es eher wichtig, dass man über seine Bestattungsaufträge reden kann. Das hilft mir insbesondere bei einer sehr intensiven Begleitung, es zu verarbeiten.

Macht ihr regelmäßig Coachings oder Supervisionen?

Wir machen eigentlich jeden Tag Supervision im kleinen Rahmen. Meine Kollegen und ich fragen uns mehrmals am Tag „wie geht’s dir?, Wie war’s? Alles okay?“. Vor allem bei Sterbefällen, die für die Familie sehr unerwartet kamen, hilft es mir im Anschluss mit Jemandem darüber zu reden. Wir stützen uns gegenseitig und das heißt auch, dass ein Kollege, einem auch mal kurzfristig was abnimmt, wenn man gerade aus einem schweren Gespräch mit einem Angehörigen geht. Das kann und will ich nicht in mich hinein fressen oder mit mir selbst ausmachen. Meistens reicht einfach nur ein offenes Ohr, jemand der zuhört. Der kollegiale Austausch hilft mir häufig am meisten. Darüber hinaus haben wir auch jederzeit die Möglichkeit an Coachings und Supervisionen teilzunehmen.

Wenn es mal ganz schwierig ist, haben wir auch zwei TrauerbegleiterInnen im Haus, die entweder einfach für uns da sind oder uns einen verlässlichen Kontakt geben. Das sind Experten, die wissen, was einem am besten hilft.

Hat dich die Ausbildung gut auf den Beruf vorbereitet? Oder gibt es etwas, das dir an Inhalten oder Themen gefehlt hat?

Ja, eigentlich schon. Die Ausbildung ist so umfangreich und vielseitig wie der Beruf der Bestatterin.

Da in so kurzer Zeit natürlich nicht sehr viel Zeit ist um bei allen Themen in die Tiefe zu gehen, konnte vieles natürlich nur angeschnitten werden. Ich persönlich finde vor allem in Bezug auf Trauerpsychologie 2 Wochen Unterricht zu wenig. Ich hätte mir da noch mehr Hilfe in Bezug auf psychologische Hilfestellungen gewünscht. Nicht nur in Bezug auf „wie gehe ich mit der Familie um?“, sondern auch in Bezug auf mich selbst und was der Beruf mit mir macht. Im Prinzip auch „wie kann ich mir selbst helfen?“.

Was braucht es noch, um eine (gute) BestatterIn zu werden?

Es muss schon eine gewisse Grundhaltung da sein. Einfühlunsgvermögen, eine gewisse Menschenkenntnis und die Fähigkeit zu zuhören, sollten schon vorhanden sein. Man lernt allerdings im Laufe der Zeit, sich auf die Menschen und ihre individuellen Lebensgeschichten einzustellen.

Außerdem kann ein gewisses Multi-Tasking-Talent sicher nicht schaden…

Auch die Büroarbeit gehört zum Bestatteralltag

Was für Erfahrungen hast du in Bezug auf dein Geschlecht in der Branche gemacht?

Da hatte ich bisher noch keine wirklich schlechten Erfahrungen. Klar, wenn zwei Bestatterinnen bei einer Überführung erscheinen, kann das für manche erstmal ein ungewohntes Bild sein. Das war auch eher in ländlichen Gebieten zu Beginn meiner Ausbildung schwierig. Wenn man dann aber alles professionell ausführte und seine Arbeit gut machte, war das schnell wieder vergessen. Seit dem sind aber über 10 Jahre vergangen und ich finde, dass sich in der Branche auch viel in der Hinsicht getan hat.

Es gibt jedoch Bestattungsaufträge bei denen ich als junge Frau in der Beratung einfach nicht der richtige Gesprächspartner bin und es einfach besser passt, wenn sich ein älterer männlicher Kollege kümmert. Zum Beispiel wenn ein Mann seine junge Frau verloren hat und durch mich daran erinnert wird, dass sie zu jung verstorben ist. Das kann aber natürlich anders herum auch immer vorkommen.

 

Was ist für dich die wichtigste Errungenschaft der Digitalisierung, die dir in deinem Alltag hilft, den Überblick zu bewahren?

Für mich persönlich sind es Technologien, wie eure Bestattersoftware, die mir jederzeit zur Verfügung stehen und mir Unabhängigkeit in meinem Alltag ermöglichen. Außerdem finde ich es gut, dass wir nun Vieles digital und ohne viel Papierkram erledigen können. Ich kann mir manchmal gar nicht mehr vorstellen, wie viel Zeit früher für diese ganze Zettelwirtschaft, noch zu Beginn meiner Ausbildung, draufgegangen ist.

 

Interview mit Uller Gscheidel: „Zur Begleitung krisenhafter Prozesse gehört Coaching oder Supervision.“

Die Bestattungsbranche spricht von einem Wandel der Bestattungskultur, die sogenannten alternativen Bestattungsinstitute sprießen aus dem Boden und ein Hauch von Digitalisierung liegt in der Luft. Alles neu? Oder schon mal da gewesen?

Wir haben mit Uller Gscheidel von Charon Bestattungen in Berlin über den Diskurs um alternative Bestattungen, die Ausbildung zum Bestatter, Persönlichkeitsentwicklung und hilfreiche Software gesprochen. Der praktizierende Buddhist hat 2002 seine Berufung als Quereinsteiger in die Bestattungsbranche gefunden. Mittlerweile leitet der sympathische Bestatter das Bestattungsinstitut in Berlin gemeinsam mit seiner Tochter Lea. Warum das gut funktioniert und was er von der neuen Generationen lernen kann, erfahrt ihr weiter unten.

 

Herr Gscheidel, Sie haben bereits 2002 damit begonnen, alte Rituale und Abläufe durch begleitende und offenere Beratung zu ersetzen.

Von diesem Wandel höre ich, seit ich vor 15 Jahren angefangen habe. Wandel findet immer und überall statt – natürlich auch in der Bestattungsbranche. Doch es gibt einige Faktoren, die eine Veränderung vorangetrieben haben. Zum Einen aus der Branche heraus, aber auch aus anderen Richtungen.

Ein entscheidender Faktor war sicherlich der Wegfall des Sterbegeldes der Krankenkassen 2003. Damit endeten die sorglosen Zeiten der traditionellen Bestattungsunternehmen. Somit sind schnell neue Strukturen entstanden, die den Wettbewerb über den Preis begünstigten.

Diese neuen Strukturen bedienten durchaus erfolgreich ein Klientel, die für eine Bestattung wenig oder kein Geld ausgeben konnten oder wollten. Das bedeutete jedoch für die Traditionsunternehmen zum ersten Mal wirklich Konkurrenzdruck und die Notwendigkeit sich mit diesem Wandel und den Möglichkeiten und Grenzen des eigenen Bestattungsgeschäfts neu auseinander zu setzen.

Vor 10 oder 20 Jahren waren die „alternativen“ Bestattungsunternehmen die Feinde der Traditionsunternehmen.

Denn sie zeichneten sich ja auch dadurch aus, dass sie Bestattung so machten, wie es „schon immer war“, „wie es sich gehört“ und wie es auch heute noch stimmig ist für viele der sehr alt gewordenen Menschen. Heute sind die meisten der damals „alternativen“ Unternehmen gut im Geschäft mit ihren Ansätzen und finden ausreichend Kunden, die genau das wünschen.

 

Und woher kam der Input für dieses neue Auseinandersetzen mit den Möglichkeiten des Bestattungsberufes?

Auf der einen Seite brachte die Hospizbewegung viel Bewegung in die Auseinandersetzung mit Tod und Sterben. Mit ihrem Anspruch, dass ein Leben bis zuletzt würdevoll möglich sein sollte und nicht in den Besenkammern der Heime verschwinden sollte.

Neue Einflüsse kamen aber auch von den Quereinsteiger, die in diesem Zuge in die Branche kamen. Es tauchten vereinzelt „alternative“ Unternehmen am Markt auf, gegründet von Menschen, die eine andere Vorstellung vom Sterben, Tod und Bestattung hatten, die intrinsisch motiviert waren, in diesem gesellschaftlichen Umfeld etwas zu verändern.

Sie waren oft studierte Quereinsteiger in diesen Beruf und brachten andere Sichtweisen und Voraussetzungen mit, die über Bestattung als Handwerksberuf hinaus reichten.

Was für neue Sichtweisen waren das genau?

Quelle:

Von Hinterbliebenen selbstbemalter Sarg

Es ging darum, den Verstorbenen nicht mehr nur als zu entsorgenden Grund des Auftrags zu begreifen, ihn „pietätvoll“ verschwinden zu lassen, sondern den Angehörigen Zugang zu ihrem Verstorbenen zu ermöglichen, sie zu ermutigen, letzte Dienste selbst zu tun, und sich dadurch selbst der direkten Erfahrung von Sterblichkeit auszusetzen.

Die Begegnung mit einem Toten, der einem nahe war, ist immer eine Begegnung mit den eigenen Gefühlen von Verlust und Trauer und der Erfahrung, dass wir mit dem Tod leben (müssen).

Die Verstorbenen vor Übergriffigkeit zu schützen und Angehörige bei diesen meist ungewohnten Schritten zu unterstützen, wurde nunmehr als wichtig erachtet.

Insofern war dieses „alternativ“ nichts Neues, sondern eher etwas Altes, viele Jahrhunderte von den Familien und Dorfgemeinschaften selbstverständlich getan, das wir in den westlichen Gesellschaften nach den Kriegen in die Hände der Profis (Senioreneinrichtungen und Bestattungsunternehmen) gegeben hatten und damit auch einen wesentlichen Zugang zum Verständnis der Welt im ewigen Wandel aus der Hand gegeben hatten.

 

Was ist heute anders? Hat es mit dem stärker gewordenen Streben nach Individualität (auch über den Tod hinaus) zu tun?

In vielen Traditionsunternehmen hat mittlerweile ein Generationswechsel stattgefunden, der Raum für neue Ideen eröffnete. Außerdem gibt es viel mehr Bestatterinnen und Bestattungsunternehmen, die von Frauen geführt werden – in einer bisher eher von Männern geprägten Branche. Es zeigt sich, dass die „alternativen“ Ideen heute sehr viel mehr gesellschaftliche Akzeptanz erfahren. Es geht um Individualität, auch im Sterben und beim Begraben werden.

Auch wenn Tod und Sterben noch immer tabuisiert ist, wird dem Thema sehr viel mehr Platz eingeräumt.

Und es kommt allmählich auch in einer Generation an, die sich schon in ihrer Jugend engagiert hat gegen Fremdbestimmung durch eine Obrigkeit, die als einengend und nicht freiheitsorientiert erlebt wurde (von damals „mein Bauch gehört mir“, der selbstbestimmten Geburt, antiautoritärer Erziehung, Kinderläden, freie Schulen, Befreiung der Sexualität kommt eben heute, altersbedingt, auch das selbstbestimmte Sterben und Beerdigen).

Aus selbstverwalteten „Food Koops“ und Bioläden, die damals biologisch erzeugte Nahrungsmittel verkauften, die es sonst ja fast nicht am Markt gab, sind heute Biosupermärkte geworden. Man geht sogar auch bei Aldi „Bio“ einkaufen.

So verändert sich auch der Markt in der Bestattungsbranche. Die, die heute noch die „Alternativen“ sind, werden (wenn sie erfolgreich sind) die Ideengeber und Versuchskaninchen sein, deren Ideen dann von andern aufgegriffen werden. Dass es dabei auch zu einer Verwässerung der Ansprüche kommt, gehört leider auch zu diesem Prozess der Verbreitung der Ideen.

 

Was bedeutet der neue Diskurs für die Ausbildung zur BestatterIn? Sind die Berufsschulen gewappnet für einen tiefergreifenden Wandel?

Der Beruf Bestatter ist einer der wenigen noch zulassungsfreien Berufe in Deutschland. Das bedeutet Jeder und Jede kann, auch ohne jegliche Ausbildung, ein Gewerbe als Bestattungsunternehmen anmelden.

Bestatter – ein bisher nicht geschützter Begriff

Das Bestreben der Branche, hier zu Qualifizierung einen Beitrag zu leisten und Ausbildungen und Abschlüsse anzubieten, ist sicher wertvoll, soll aber letztendlich auch den Marktzugang im Sinne der Branche regeln.

Vielleicht sollte man vorab klären, ob es Sinn macht, dass der Beruf weiterhin als Handwerk geführt wird, was ja nur historisch zu erklären ist – die Wurzeln der Branche liegen beim Tischlerhandwerk und beim Transportgewerbe. Die Anforderungen an den Beruf heute sind aus meiner Sicht andere und zudem regional sehr verschieden – in Berlin brauchen wir z. B. kein Wissen über das Erstellen einer Gruft, da dies die Friedhöfe in eigener Verantwortung machen.

Wenn ich mir die Lehrpläne der Ausbildungen ansehe, sind diese vielleicht geeignet für junge Menschen als grundlegende Berufsausbildung mit viel Betriebswirtschaft und Materialkunde – eben angelehnt an die Ausbildungen in anderen Gewerken. Ob sie allerdings geeignet sind, die menschliche Kompetenz zu vermitteln, um mit all den schwierigen menschlichen Situationen umzugehen in die Bestatter einfach gestellt sind, wage ich zu bezweifeln.

Zur Begleitung krisenhafter Prozesse gehört Coaching oder Supervision.

 

 

Kann man das denn überhaupt lernen oder sind diese Fähigkeiten nicht vielmehr durch die Sozialisation und andere Faktoren „veranlagt“?

Ich habe grundsätzliche Zweifel, ob die nötigen Qualitäten von Einfühlungsvermögen, Authentizität und der Umgang mit den eigenen Gefühlen überhaupt in einem schulischen Kontext vermittelt werden kann.

Das ist Herzensbildung und Entwicklung von Persönlichkeit, Soft Skills, die man nicht aus Büchern und mit Konzepten lernen kann, sondern die mit den Erfahrungen mit sich selbst im Leben wachsen können.

Ein gutes Vorbild, ein Lehrmeister kann hier viel beitragen, Weiterbildungsangebote aus diesem Bereich können Anregungen liefern, aber jeder und jede muss für sich selbst was draus machen.

Bestatter ohne das Gefühl von Berufung zu diesem Beruf sind vielleicht gute Handwerker, die den Auftrag fehlerfrei abwickeln können, aber mehr auch nicht. Aber auch dafür gibt es ja Kunden, die genau das möchten.

BestatterIn als BegleiterIn in einer schwierigen Zeit mit Gefühlen von Verlust und Trennung, mit der Begegnung mit Tod und Toten ist mehr als Handwerk. Das muss man wollen.

 

Apropos Sozialisation und Werte. Was hat sich in Ihrem Bestattungshaus geändert, seit Ihre Tochter vor ein paar Jahren mit eingestiegen ist?

Einiges musste sich dadurch ändern, aber es gab wenig Diskussion im Bereich der Werte. Da sind wir uns sehr nahe. Aber alle Organisationsprozesse, die ich bisher mit Hilfe der Datenbank und in meinem Kopf hatte, mussten jetzt für uns beide immer zugänglich sein. Dieser Schritt, Überarbeitung der Datenbank mit Zugang für uns beide sowie Bereitstellung eines Zugangs mit mobilen Endgeräten und die Entwicklung einer transparenten Arbeitsstruktur war doch ein ziemlicher Schritt.

Was sich auch geändert hat ist die Perspektive: Ohne Unternehmensnachfolge hätte ich einfach so weitermachen können. So muss ich mich jetzt öffnen für die Veränderungen durch die junge Generation – welche auch immer die sein mögen. Die Bestattungsbranche ist IMMER im Wandel.

 

Auch wenn die Digitalisierung in der Bestattungsbranche nur langsam voranschreitet, gibt es bereits ein paar nützliche „digitale Hilfen“. Was sind Ihre Anforderungen an eine moderne Bestattersoftware?

Eine gute Software ist wichtig, denn sie sollte die eigenen Arbeitsabläufe so effizient wie möglich gestalten helfen, dass mehr Zeit für die eigentliche Arbeit – die Begegnung und Beziehung zu den Angehörigen und den Toten – bleibt.

Da es für mich vor 15 Jahren nichts Vernünftiges gab, habe ich mir meine Software auf der Grundlage von Filemaker selbst entwickelt und immer weiter ausgebaut.

Da Bestattung regional so unterschiedlich ist, muss die Software leicht angepasst werden können an die speziellen Bedürfnisse des jeweiligen Kunden. Jedes Bundesland hat andere Formulare und Bestimmungen die implementiert werden müssen, aber nicht jedes Unternehmen braucht das Modul „Trauerdruck“.

Auf jeden Fall braucht es auch statistische Module, die mir zu jedem Zeitpunkt Auskunft geben können, wie der aktuelle Stand ist – offene Forderungen?, welcher der Verstorbenen befindet sich gerade wo?, Wie viele Sterbefälle hatte ich im Vormonat oder im vergangenen Jahr zur selben Zeit? Wie sieht die Altersstruktur bei meinen Sterbefällen aus? Welches Klientel bediene ich? Auf welchen Friedhöfen bin ich oft oder ganz selten? Aber auch diese Fragen lassen sich nicht verallgemeinern.

Jeder Betrieb stellt eigene Fragen, die für ihn von Interesse sind und die mit Hilfe einer Datenbank, über die alle Geschäftsprozesse laufen, beantwortet werden können, falls die richtigen Informationen hier erfasst sind. Insofern ist eine Datenbank aus meiner Sicht Kernstück und Rückgrat der Organisation eines Betriebes.

 

Heimspiel: auf der Forum BEFA 2017 in Hamburg!

Der Termin ist fett bei uns im Kalender markiert: die BEFA findet 2017 in unserer Heimatstadt Hamburg statt.

Wir würden uns freuen, wenn wir uns sowohl auf unserem Messestand (Standnummer wird noch bekannt gegeben), als auch abseits des Messerummels auf ein Getränk oder einen Happen sehen würden.

Das Team von Pacemo hat schon die Köpfe zusammen gesteckt und arbeitet gerade für die BEFA 2017 an einer Liste von Geheimtips für Hamburg, die wir hier in Kürz veröffentlichen werden.

Gerne geben wir Ihnen auch einen individuellen Einblick in unsere Software.  Für einen persönlichen Termin auf der Bestatterfachmesse kontaktieren Sie uns gerne telefonisch: 040 – 22 86 60 77

Wir freuen uns drauf!

Best-Of: Ausgezeichnet vom Innovationspreis IT 2017

 

Pacemo gehört „zur Spitzengruppe des diesjährigen INNOVATIONSPREIS-IT“

Seit 14 Jah­ren ver­leiht die In­i­tia­ti­ve Mit­tel­stand den INNOVATIONSPREIS-IT und auch im Jahr 2017 wer­den die in­no­va­tivs­ten IT-Pro­duk­te und –Lö­sun­gen Deut­sch­lands, Ös­t­er­reichs und der Schweiz ge­sucht und ge­ehrt.

Pacemo hat als innovative IT-Lösung die Jury überzeugt und gehört in der Kategorie „Branchensoftware“ zu den Besten des INNOVATIONSPREIS-IT 2017.

Als erste cloud-basierte Softwarelösung für eine moderne Sterbefallverwaltung eröffnet Pacemo Bestattungsinstituten eine neue Dimension der Mobilität und Flexibilität im Arbeitsalltag.

Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung und das Zertifikat!

Sonnige Grüße vom Hamburger Hafen,

Ihr Pacemo Team

 

10 Fakten über Bestattungen // Infografik

Ist man auf der Suche nach verlässlichen Informationen zum Thema Bestattungen, stößt man seit Jahren immer wieder auf die gleichen paar Seiten, die dafür aber mit einer Fülle von Informationen daher kommen.
Als Hinterbliebener ist es nicht immer einfach die passenden Inhalte zu finden. Sucht man nach Fakten zu Bestattungen, erscheinen auf den ersten Seiten im Google-Ranking dutzende Seiten von verschiedenen lokalen Bestattungsinstituten, die ihre Hausaufgaben in Sachen Suchmaschinen-Optimierung (SEO) gemacht haben.

Aber auch als Angehöriger der Bestattungsbranche, also quasi als „Branchen-Insider“ ist es nicht immer einfach die passenden Informationen zu finden. So ergeht es auch uns regelmäßig. Aktuelle Statistiken, die für die Bestattungsbranche interessant sein könnten, gibt es leider kaum. Einzig der Bundesverband der deutschen Bestatter (BDB) hat in den letzten Jahren auf eigene Initiative eine Umfrage und Forschungsarbeit in Auftrag gegeben, die einen Einblick in die Trends der Bestattungen geben. Auf der Seite des statistischen Bundesamt hat man überdies Zugriff auf Studien zu Sterberaten und Todesursachen, sowie einer umfassenden Studie zu Kostenstrukturen bei Bestattungsinstituten.

In diesem Zuge haben wir alle Informationen, die uns bei unserer Recherche begegneten und uns wissenswert erschienen, in einer einzigen Infografik zusammengestellt.

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Interview mit Bestatter Fabian Piepenstock: „Transparenz für die Angehörigen ist mir persönlich sehr wichtig“

Ein alteingesessener Familienbetrieb mit einer angenehm offenen und modernen Ausrichtung. Das Beerdigungsinstitut Feldhaus KG in Haan geht gerade in die vierte Generation über und kann nächstes Jahr auf 90 stolze Jahre Firmengeschichte zurückblicken. Ein Vertreter der neuen Generation und treibende Kraft, wenn es um das Vorantreiben neuer Projekte und der Einführung neuer digitaler Errungenschaften geht, ist der junge Bestatter Fabian Piepenstock. Er setzt sich für mehr Transparenz in der Branche und einen offenen Umgang mit den Hinterbliebenen ein.

Durch einen gemeinsamen Kontakt haben wir die Bekanntschaft mit dem jungen Bestatter aus dem Bergischen Land gemacht. Da die Chemie gleich zu Anfang stimmte und wir auf beiden Seiten Synergie-Effekte ahnten, haben wir Fabian kurzerhand für zwei Tage nach Hamburg eingeladen. Die Chance mit ihm ein Interview zu führen, haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

In Familienbetrieben scheint der Weg oft vorgezeichnet. Wann war dir klar, dass du Bestatter werden möchtest?

Während meiner Kindheit und frühen Jugend war ich eher etwas abgeschreckt von dem Beruf des Bestatters. Ein Grund dafür war vermutlich, dass der Bestattungsbetrieb meiner Eltern und unsere Wohnräume im selben Haus liegen. Dadurch gab und gibt es kaum eine Trennung der beiden Bereiche. So bekam ich natürlich auch alle negativen Aspekte mit, die sich bei mir stärker einbrannten als die schönen Seiten des Berufes. Die lernte ich erst später kennen, als ich begann ab und zu im Familienbetrieb auszuhelfen.

Deshalb war ich mir als Jugendlicher ganz sicher, dass ich nicht direkt Bestatter werden wollte und das meinen Eltern auch ganz klar kommuniziert. Da ich keine Lust hatte erstmal Jahre lang in einem Hörsaal zu sitzen und überdies auch nicht gewusst hätte, was ich studieren wollte, habe ich nach dem Abi eine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen angefangen.

Mit Ablauf der Probezeit kam ich Abends nach Haus und teilte meinen Eltern mit, dass ich gegangen war. An diesem Abend fragte mich mein Vater ganz direkt ob ich Bestatter werden wollte. Da sagte ich ja zu dem Beruf. Seit dem ich die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft angefangen habe, bis hin zu meiner gerade abgelegten Meisterprüfung habe ich meine Entscheidung nicht bereut.

 

Empfindest du die Zugehörigkeit zu einem Familienbetrieb als Fluch oder Segen?

Klar hat es viele Vorteile Teil eines funktionierenden Unternehmens zu sein. Der elterliche Betrieb bleibt einem als Bezugspunkt und Sicherheit. Überdies kann man über alles sprechen und es fällt einem leichter Emotionen zu teilen und mitzuteilen.

Natürlich hat es aber auch Nachteile mit der Familie zusammen zu arbeiten. Kritik und Gefühle können schlechter herunter geschluckt werden und man kann auch nicht so ohne weiteres gehen.

Als Quereinsteiger oder unabhängig selbstständig gemachter Bestatter ist man dafür auch ungebundener und freier in seinen Entscheidungen. Als Familienbetrieb in dritter Generation mit einem bekannten Namen steht man unter einem hohen Erwartungsdruck. Das fängt schon mit dem Namen an, mit dem bestimmte Erwartungen verbunden sind, und schließt auch die Ausrichtung des Betriebes mit ein. Umso wichtiger ist es, offen für Neues zu sein und nicht zu sehr an alten Traditionen festzuhalten. Dafür setze ich mich als junger Bestatter natürlich verstärkt ein.

 

Was hast du zur Zeit für freie Gestaltungsmöglichkeiten in Bezug auf neue Projekte und Produkte in eurem Betrieb?

Zunächst habe ich immer die Freiheit ein neues Projekt anzufangen, sofern genug Zeit dafür ist. In meiner Freizeit natürlich sowieso. Am Ende kann es immer noch passieren, dass mein Vater sein „Veto“ einlegt, aber das passiert eher selten.

In der letzten Zeit habe ich viel Zeit dafür aufgewendet, die Mitgestaltung und Teilhabe der Angehörigen zu erhöhen. Zum Einen bei Schritten wie beim Arrangieren der Trauerfeier, der Gestaltung des Sarges etc.

Mir ging es aber vor allem um die Dokumentation und Einbeziehung der Angehörigen bei Schritten, bei denen sie nicht teilhaben konnten.

Das heißt, wir stellen ihnen im Nachgang noch mal alle „Arbeitsschritte“ und Dienstleistungen, die wir erbracht haben, in einer Art Portfolio inklusive Fotos der Trauerfeier etc. in digitaler Form zur Verfügung.

So haben die Hinterbliebenen zum einen noch mal alle Details und Erinnerungen an diesen Weg und können sie gegebenenfalls im Nachhinein noch mal aufarbeiten. Zum anderen aber auch vollen Einblick in die geleisteten Arbeitsprozesse. Diese Form der Sichtbarmachung und Transparenz für die Angehörigen, ist mir persönlich sehr wichtig.

Bestatter Fabian Piepenstock

Bestatter Fabian Piepenstock

Apropos Transparenz. Aktuell wird viel über Pro und Contra der unverbindlichen Preisempfehlung diskutiert. Wie ist deine persönliche Meinung dazu?

Wie schon gesagt, finde ich Transparenz für unsere Kunden sehr wichtig. Das heißt aber nicht, dass ich eine generelle UVP für Bestattungsdienstleistungen und Produkte mit einer direkten Umstellung bzw. harten Einführung sinnvoll finde.

Das Thema lässt sich nicht ohne einen historischen Abriss erörtern. Früher rechnete der Bestatter über die eine Position „Sarg“ alle erbrachten Leistungen mit einer Gesamtsumme von, sagen wie mal 4000,- D-Mark, ab. Mit der Abschaffung des gesetzlichen Sterbegelds 2004 wurden die Beerdigungskosten von der Versicherung auf die Angehörigen abgewälzt. Dabei empfand man es vielleicht als pietätlos der trauernden Witwe das zweistündige Gespräch in Rechnung zu stellen.

So wurde die Abrechnungsmethode über die Produkte fortgeführt. Erst nach und nach setzten sich Bestattungsunternehmen dafür ein, dass ihre Dienstleistungen entsprechend honoriert werden.

Wir geben unseren Kunden immer eine detaillierte Übersicht und Erklärungen über Dienstleistungen, Preise und Qualität der Produkte. Denn es gibt natürlich einen Unterschied zwischen dem handgefertigten Eichenholzsarg, der in Deutschland hergestellt wurde und dem sehr ähnlich aussehenden Eichenholzsarg, der industriell im Ausland produziert wurde.

Für den Kunden ist der Preisunterschied erst mit der entsprechenden Erklärung ersichtlich. Am Ende trifft der Kunde seine Wahl und wir unterstützen ihn bei all seinen Entscheidungen.

Auf der Rechnung sollten dann später alle Posten detailliert aufgelistet sein, so dass sie von den Angehörigen nachvollziehbar sind. Das heißt auch, schwammige Begriffe und Umschreibungen wie „sonstige Dienstleistungen“ zu vermeiden. Es hat auch einen Vorteil für Folgeaufträge, wenn der Kunde dann zu dir sagt: „wie bei Vattern vor 2 Jahren“.

Am Ende ist der UVP also ein erstrebenswertes Ziel, setzt aber viel Verständnis und eine genaue Differenzierung seitens der Bestatter, aber auch der Angehörigen und Verbraucherinitiativen voraus. Der Sarg darf nicht „der Sarg“ sein, sondern das Modell und dessen Parameter müssen klar sein. Dann macht ein UVP zum Vergleich verschiedener Särge und verschiedener Anbieter potentiell Sinn.

 

Was ist in für dich die wichtigste Errungenschaft der Digitalisierung?

Mein Smartphone. Der große Vorteil ist, dass ich auch von einem Hausbesuch aus darauf zugreifen kann und kann so direkt verschiedenste Dinge erledigen. Außerdem benutzen wir es, um auf Trauerfeiern Musik abzuspielen. Die richtige Auswahl an Musik spielt auch eine wichtige Rolle und ist so sehr einfach. Da ich persönlich gerne mit Apple arbeite, nutzen wir dafür die verschiedenen Angebote, wie iTunes, iCal als Kalender, Kamera zum Scannen etc. Und man kann mit den Dingern sogar telefonieren…

Interview mit Bestatterin Janna Schaarschmidt: „Ich bin achtsamer mit mir und meinem Körper“

Auch wenn das Bild des konservativen, männlichen Bestatter über fünfzig weit verbreitet ist, wird es nicht der vielschichtigen Realität der Bestattungsbranche gerecht. Auch viele Quereinsteiger und auch junge Bestatter, die nicht aus Familienbetrieben kommen, haben in dem weiten Feld der Bestattungsbranche ihren Platz gefunden. Darunter auch zunehmen junge Frauen, die sich jedoch ihren Platz und damit auch den Respekt ihrer Kollegen, härter verdienen müssen.

Wir waren bei der jungen Bestatterin Janna Schaarschmidt zu Besuch, die sich im Oktober 2016 mit ihrem eigenen Beerdigungsinstitut Schaarschmidt Bestattungen in Hamburg Barmbek selbstständig gemacht hat- und das sehr erfolgreich. Mit ihr haben wir über die Rolle des Geschlechts, Achtsamkeit und Trends in der Bestattungsbranche gesprochen.

 

Wie bist du zum Beruf der Bestatterin gekommen?

Janna Schaarschmidt Bestatterin

Janna Schaarschmidt Bestatterin

Das war noch zu Schulzeiten, als ich in der zehnten Klasse war und wir alle begannen uns zum ersten Mal so richtig mit unseren Berufswünschen auseinanderzusetzen. Ursprünglich wollte ich bei der Kripo arbeiten, aber wie es der Zufall wollte, hatte ich die Möglichkeit bei einem Bestatter eine Woche lang ein Praktikum in den Schulferien zu machen.

Da der Betrieb mir dann einen Ausbildungsplatz angeboten hat und es mir dort gut gefallen hatte, habe ich das Angebot angenommen. Wobei ich vorher noch mal bei einer Versorgung dabei war, um zu schauen, ob ich auch mit dem schwierigsten Teil des Berufes klar komme. Als ich diese „Probe“ dann bestanden hatte, habe ich zugesagt. Also alles ohne große Vorgeschichte oder Hindernisse. Es hat sich alles sehr gut für mich gefügt.

 

Wann war dir klar, dass du dich als Bestatterin selbstständig machen möchtest?

Eigentlich war mir schon zu Beginn der Ausbildungszeit klar, dass ich irgendwann mein eigenes Bestattungshaus gründen möchte. Ich hatte schon von Anfang an ganz viele Ideen, die ich gerne selbst umsetzen wollte. Zwar habe ich in guten Betrieben gearbeitet, aber wenn man es selbst macht, weiß man wofür man es macht.

Nach der Ausbildung habe ich allerdings bewusst in unterschiedliche Bestattungshäuser geschaut, um Erfahrungen zu sammeln und meine eigene Richtung zu finden. Ich wollte nicht ohne Konzept starten. Diese paar Jahre haben mir ganz genau gezeigt, was ich machen möchte und was auch nicht. So fiel es mir, als es dann soweit war, sehr leicht meine Ideen zu konkretisieren und umzusetzen.

 

Was für Erfahrungen hast du in Bezug auf dein Geschlecht in der Branche gemacht?

Gerade habe ich auf Facebook in einer Bestattergruppe eine Diskussion dazu verfolgt. Es ist schon erstaunlich, was für Vorurteile in der Bestattungsbranche immer noch herrschen.

Ich weiß noch als ich mit einer Kollegin eine Versorgung für einen Abschied am offenen Sarg gemacht habe.Wir standen sehr unter Zeitdruck, da die Aufbahrung schon am folgenden Tag stattfinden sollte. Dazu kamen Kommentare von den männlichen Kollegen, die fest daran glaubten, dass wir das nicht hinbekommen würden.Es war wirklich körperlich anstrengend – keine Frage – aber das Ende vom Lied war, dass wir alles rechtzeitig und gut geschafft hatten und uns Respekt verdient hatten. Die Familie hatte die Möglichkeit, sich von Ihrem Verstorben zu verabschieden. Und das war unser Ziel.

Schaarschmidt Bestattungen Empfang

Schaarschmidt Bestattungen Empfang

Wenn man erstmal „bewiesen“ hat, dass man es kann, wirkt das Wunder.

Eine andere Situation hatte ich vor kurzem mit einer Lieferantin, die auf meine Vision qualitativ hochwertige Bestattungen zu fairen Preisen anzubieten nur Skepsis und sogar fast Mitleid für mich übrig hatte. So in der Art „Kleines, du wirst schnell merken, dass das nicht funktioniert“. Da ich nun schon seit Monaten bei ihr bestelle und sie merkt, dass es bei mir gut läuft, ist sie zurückgerudert. Auch hier musste ich erstmal „beweisen“ dass ich es als junge Bestatterin mit einem eigenen Bestattungsinstitut „drauf hab“.

Ich muss souverän und professionell arbeiten. Dann gebe ich denjenigen die tratschen wollen keine Angriffsfläche. Also versuche ich meinen Weg zu gehen und mich nicht von anderen unter Druck setzen zu lassen.

 

Wie ist dein Rat für Frauen, die Bestatterin werden wollen?

Auf jeden Fall nicht unterkriegen lassen! Man braucht aber auch eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und ein dickes Fell. Viele Dinge darf man einfach nicht persönlich nehmen. Kollegen, die reden, wissen ja gar nicht, was für eine Person du privat bist. Sie sehen dich als Bestatterin und beziehen alles, was du tust, auf das Berufsbild bzw. auf das Merkmal „weibliche Bestatterin“. Aber eine Person lebt ja eben nicht nur in seiner Funktion, sondern die Persönlichkeit setzt sich aus vielen andere Dingen zusammen, in die die Kollegen gar keinen Einblick haben.

Ich glaube, dass man aber auch viele Vorteile als Frau in dem Beruf hat. Ich kann als Frau sehr gut delegieren, meine eigenen Kräfte einschätzen und gegebenenfalls daran arbeiten oder andere beauftragen, wenn ich denke, dass ich es alleine nicht schaffe. Es gibt überhaupt keinen Grund sich dafür zu schämen. Das heißt ja auch, dass ich achtsamer mit mir und meinen Körper bin. Ich habe nicht das Bestreben meine Grenzen zu übertreten, nur um zu beweisen, dass ich etwas kann.

 

Apropos Achtsamkeit. Wie sieht es mit der Work-Life-Balance bei dir aus?

Natürlich kommt das Privatleben im Moment kurz. Aber ich stehe ja auch noch ganz am Anfang und möchte mich nicht beklagen. Ich bin glücklich, dass ich so gut zu tun hab.

Wenn ich ein bisschen Zeit habe, teile ich diese am Liebsten mit meinen Freunden und meiner Familie. Dann kochen wir zusammen oder ich versuche einen Kurzurlaub unterzubringen. Manchmal reicht schon ein Wochenende am Meer. Allerdings muss ich natürlich immer damit rechnen, durch einen neuen Sterbefall zurück geholt zu werden.

Beratungsraum Schaarschmidt Bestattungen

Beratungsraum Schaarschmidt Bestattungen

Am Ende ist es aber alles eine Einstellungssache. Ich akzeptiere, dass das zu meinem Beruf gehört. Versuche aber dennoch, mir meine Freizeit zu nehmen und sie gut zu gestalten. Von daher ist Work-Life-Balance für mich schon wichtig, aber nur im Rahmen des auch Machbaren.

Zudem wusste ich vor Beginn meiner Selbstständigkeit, dass sich durch die eigene Firma Einiges ändern wird in meinem bzw. unserem Leben. Darüber haben wir vorher viel gesprochen und nachgedacht und uns dann für den Schritt entschieden.

 

Wo stößt du an deine Grenzen?

Wo ich immer wieder mal an meine Grenzen stoße sind rechtliche Dinge, beziehungsweise, wie „besondere Fälle“ gehandhabt werden. In Deutschland gibt es sehr strenge Regularien rund ums Thema Bestattung, die dann oft auch landesweit unterschiedlich geregelt sind. Da fehlt mir manchmal das Verständnis.

Außerdem ist es manchmal auch innerhalb der eigenen Reihen schwer Veränderungen durchzusetzen. Die Uhren laufen hier langsamer. Man muss sich immer erst beweisen, um Vertrauen kämpfen, um Änderungen durchzusetzen. Das hat natürlich auch mit dem Alter der Entscheidungsträger zu tun. Und auch die nachfolgende Generation braucht noch ihre Zeit, denn auch sie müssen noch um Vertrauen kämpfen und sich beweisen.

 

Wie müssen sich Bestatterinnen, deiner Meinung nach, für die Zukunft aufstellen?

Ich glaube, dass es nicht nur thematisch wichtig ist, sich gut für die Zukunft aufzustellen, sondern auch auf mentaler und körperlicher Ebene. Ein Thema ist dabei Achtsamkeit, worüber wir ja schon ein bisschen gesprochen haben. Ich muss gut für mich und meinen Körper sorgen, damit ich auch noch in 10 bis 20 Jahren meine Arbeit noch machen kann. Deshalb ist es so wichtig, sich einerseits einen privaten Ausgleich zu suchen und andererseits auch seinen Körper zu trainieren und zu pflegen. Deshalb versuche ich so oft wie möglich Sport zu machen und mir Hilfe zu suchen, wenn ich an meine Grenzen stoße.

Schauraum Bestattungen Schaarschmidt

Schauraum Bestattungen Schaarschmidt

Ein anderes wichtiges Thema ist Offenheit. Die Digitalisierung ist in vollem Gange. Doch merkt man das im Bestattungswesen kaum. Anmeldungen werden z.B. immer noch per Fax an den Friedhof gefaxt und es entsteht immer noch eine Menge Papierkram. All das lässt sich für mich nicht mit modernen Leben und Arbeiten vereinen.

Auch dem Thema Digitaler Nachlass wird meiner Meinung nach, noch viel zu wenig Beachtung geschenkt. Wenn ich einen Fall habe, bei dem ein junger Mensch beteiligt ist, frage ich explizit nach, ob es ein Thema ist oder war. Und das Thema Digitales Erbe wird natürlich noch an Bedeutung gewinnen.

Auf Dauer kann es sich kein Bestatter leisten, die Augen vor neuen Entwicklungen zu verschließen. Auch wenn alles etwas langsamer vonstatten geht, muss man sich fragen, wohin der Trend geht und darf nicht ganz stehen bleiben. Ich finde hier passt das Zitat von Schiller gut „wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“

 

Vielen Dank, Janna!

 

 

Interview mit Bestatter Nico Sobotta: „Die Branche kann ein verdammtes Haifischbecken sein“

Der Beruf des Bestatters avanciert zu einem Trend-Beruf. Immer mehr junge Männer und Frauen entscheiden sich bewusst für die Arbeit mit dem Tod. Da gibt es jene, die irgendwann den Familienbetrieb übernehmen wollen, aber auch die, die eine persönliche Geschichte zum „Traumberuf“ Bestatter geführt hat.

Nico Jan Sobotta ist so einer. Der junge Bestatter hat sich mit dem Trauerhaus Sobotta in Essen selbstständig gemacht und sich damit einen Traum erfüllt. Doch der Sprung in die Selbstständigkeit ohne den Erfahrungsschatz und stabilem finanziellen Hintergrund eines Familienbetriebes, ist nicht immer ganz einfach.

Wir haben mit der Essener Frohnatur über Konkurrenzdruck in der Bestattungsbranche, Tipps für die Selbstständigkeit und die zentrale Rolle von Marketing für Bestattungsinstitute gesprochen.

 

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Nico Sobotta vom Trauerhaus Sobotta bei einer Aktion der Sendung mit der Maus

1. Du hast in der Ober- und Landesliga Fußball gespielt und in der Medienbranche gearbeitet. Wie und wann bist du zum Beruf des Bestatters gekommen?

Es gab eine Zeit nach dem Abitur in der ich gut vom Fußballspielen leben konnte, meistens habe ich aber noch nebenbei als Barkeeper oder Promoter gearbeitet, einfach weil es mir Spaß macht unter Leuten zu sein und andere für eine Sache zu begeistern. Irgendwann habe ich dann auch bei einem Freund, der ein Bestattungsinstitut in der Region hat, ausgeholfen. Da habe ich dann sozusagen meine Berufung gefunden. Außerdem haben persönliche (und eher schlechte) Erfahrungen mit dem Bestattungswesen dazu beigetragen, dass ich Bestatter werden und es besser machen wollte.

 

2. Wann wurde dir klar, dass du deinen eigenes Bestattungsinstitut aufmachen möchtest?

Nach der Aushilfstätigkeit bei dem bereits erwähnten befreundeten Bestattungshaus habe ich 2011 mit knapp 23 Jahren die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft angefangen. Schon in den ersten Monaten der Ausbildung bekam ich eine klare Vorstellung von dem, was ich machen wollte. Leider war ich nicht sehr glücklich in meinem Ausbildungsbetrieb. Ganz im Gegensatz dazu, wollte ich ein modernes, offenes und freundliches Trauerhaus aufmachen und mein eigener Herr sein. Außerdem wollte ich einen Ort schaffen, in dem alle Wünsche der Kunden zumindest erhört und, wenn möglich, erfüllt werden – und sei es eine „Motorrad-Beerdigung“. Deshalb ist auch der Leitspruch unseres Trauerhauses: Individualität über den Tod hinaus. Eine Beerdigung sollte so einzigartig sein, wie das Leben des Verstorbenen.

 

3. Gab es auch Momente, in denen du alles hinschmeißen wolltest?

Nein, nicht ernsthaft. Klar, gab es auch mal Probleme. Aber die meisten Probleme sind da, um gelöst zu werden. Allerdings kann die Branche manchmal ein verdammtes Haifischbecken sein – gerade zu jungen und moderneren Bestattern. Ich habe allerhand Seitenhiebe, Sticheleien und auch gezielte Manipulationen einstecken müssen. Aber das hat mich nur noch mehr in meinem Handeln bestärkt. Mein Motto ist: Wenn eine Tür zu geht, geht eine bessere auf.

 

4. Was würdest du jungen Frauen und Männern empfehlen, die BestatterInnen werden wollen, empfehlen?

Auf jeden Fall sollte jeder vorher ein Praktikum oder so machen um in die Arbeit hinein zu schnuppern. Nicht jeder kommt mit den Themen Tod und Sterben klar. Und auch der einfühlsame und respektvolle Umgang mit den Angehörigen, der für mich eine sehr wichtige Rolle spielt, liegt nicht jedem.

 

5. Welche Tipps würdest du BestatterInnen, die sich selbstständig machen wollen, geben?

Auf jeden Fall sollte sich jeder, der ein eigenes Beerdigungsinstitut aufmachen möchte, sehr gut vorbereiten und sich bei Dingen Hilfe holen, die man selbst nicht kann oder vorher noch nicht gemacht hat. Ich habe zum Beispiel mit Hilfe eines Businesscoachs einen Businessplan erstellt.

Auch mit Möglichkeiten der Finanzierung habe ich mich ausführlich auseinandergesetzt.

Nebenbei habe ich mich selbst sehr viel mit den Themen Psychologie und Trauer beschäftigt. Meine Schwester, die Sonderpädagogik studiert hat, habe ich immer die Psychologie Bücher geklaut und dann verschlungen. Das hat mir sehr gut dabei geholfen, mein Gegenüber und seinen sozialen Background besser einzuschätzen und zu erkennen, in welcher Trauerphase sich die Angehörigen gerade befinden. Sich also Dinge anzueignen, die wichtig für den Beruf sind, und die einem in der Ausbildung nicht beigebracht worden sind, finde ich wichtig.

Der wichtigste Rat von allen ist allerdings: sich nicht unterkriegen lassen!

 

6. Welche top 3 Fähigkeiten braucht man als Inhaber eines eigenen Bestattungsinstitutes?

Einfühlsamkeit, Durchhaltevermögen und ganz wichtig: Ideenreichtum. In der Brache ist der Konkurrenzdruck sehr hoch. Deshalb ist es umso wichtiger, eine Nische zu finden und Dinge anzubieten, die andere noch nicht in ihrem Angebot haben. Oder eben Dinge möglich zu machen, die der alteingesessene Bestatter in der Region wahrscheinlich nicht mache würde. Wenn der Vater in seinem geliebten Adidas-Traininganszug beerdigt werden wollte, dann erfülle ich der Familie selbstverständlich diesen Wunsch.

Ich bin immer auf der Suche nach neuen Produkten und versuche immer mit der Zeit zu gehen und neue Trends in der Trauerkultur mit aufzunehmen.

 

7. Welche Rolle spielt für dich Kommunikation & Marketing und woher nimmst du dein Wissen?

Eine sehr große Rolle, ohne das funktioniert es nicht. Man muss dafür sorgen, dass man wahrgenommen wird und darauf achten, wie man wahrgenommen wird. Ich möchte, dass man sich im Trauerhaus Sobotta richtig wohl und gut aufgehoben fühlt und das natürlich auch weitergibt.

Ich habe durch meine früheren Tätigkeiten sehr viele gute Kontakte bekommen und auch einiges an Erfahrung im Bereich Promotion und Marketing sammeln können. Außerdem ist man als junger Mensch ja sowieso mit den sozialen Medien vertraut, so dass ich und das Trauerhaus Sobotta natürlich auch bei Facebook und Co  vertreten sind.

Gerade am Anfang ist es sehr wichtig, viel Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Ich fahre oft ins Pflegeheim und informiere dort über unsere Vorsorge-Angebote und manchmal habe ich auch einfach nur ein offenes Ohr für die Bewohner.

Toll ist, dass ich meine Tätigkeit super mit sozialen Engagement verbinden kann. Ich engagiere mich ehrenamtlich im Netzwerk Hopes Angels, das Eltern die Sternenkinder erwarten oder bekommen haben, zur Seite steht. Auch weil ich selbst einen kleinen Sohn habe, liegen mir vor allem Projekte für Kinder sehr am Herzen.

Im Oktober letzen Jahres haben wir zum ersten Mal gemeinsam mit „Der Sendung mit der Maus“ die Türen des Trauerhauses für Kinder geöffnet. Zusammen haben wir uns auf kindgerechte Weise dem Thema Leben und Sterben gewidmet.

Da ich sehr verwurzelt in der Region bin, engagiere ich mich auch für regionale Projekte, wie zum Beispiel eine Spendenaktion für Essens Obdachlose.

 

8. Du hast selbst eine kleine Familie. Wie lässt sich die Arbeit im Trauerhaus und das Familienleben vereinen? Gibt es so etwas wie eine „Work-Life-Balance“?

Bisher klappt es super! Ich habe das Glück, dass meine Frau sehr viel Verständnis für meinen Beruf und dass ich 24-Stunden erreichbar bin, hat und auch oft mit anpackt.

 

9. Was ist das wichtigste Tool, Programm, Hardware, das dir in deinem Alltag hilft?

Natürlich in erster Linie mein Handy und mein Computer. Ich finde es auch wichtig, regelmäßig die Unternehmensseite auf Facebook zu pflegen und dass die Homepage stets aktuell ist. Denn heute ist es ja ebenso wichtig, dass man auch online gut gefunden wird und sich ansprechend präsentiert. Manchmal denke ich, dass man da als junger Mensch schon einen Vorteil hat.

 

10. Und jetzt eine abschließende Frage: kannst du dir vorstellen, Pacemo – die moderne Bestattersoftware – für die Sterbefallverwaltung zu nutzen?

Ja, natürlich;-) Das was ich bisher gesehen habe, sieht super aus. Gerade weil die Software nicht installiert werden muss und ich sie von überall nutzen könnte, wäre sie perfekt.

Momentan arbeite ich noch mit Excel-Listen und Word und mit einem kleinen Programm, das mir bei der Rechnungsstellung hilft.

Die kostenlose Testversion von Pacemo lasse ich mir natürlich nicht entgehen und ein kostenreduziertes Angebot für Gründer klingt auch gut.*

 

Vielen Dank, Nico Sobotta vom Trauerhaus Sobotta, für das nette Gespräch und alles Gute!

 

*Anmerkung der Redaktion: Seit dem 01.01.2017 haben wir für Gründer und Jungunternehmer der Bestattungsbranche ein spezielles und kostenreduziertes Angebot. Sprechen Sie uns einfach an: 040/22866077