Best-Of: Ausgezeichnet vom Innovationspreis IT 2017

 

Pacemo gehört „zur Spitzengruppe des diesjährigen INNOVATIONSPREIS-IT“

Seit 14 Jah­ren ver­leiht die In­i­tia­ti­ve Mit­tel­stand den INNOVATIONSPREIS-IT und auch im Jahr 2017 wer­den die in­no­va­tivs­ten IT-Pro­duk­te und –Lö­sun­gen Deut­sch­lands, Ös­t­er­reichs und der Schweiz ge­sucht und ge­ehrt.

Pacemo hat als innovative IT-Lösung die Jury überzeugt und gehört in der Kategorie „Branchensoftware“ zu den Besten des INNOVATIONSPREIS-IT 2017.

Als erste cloud-basierte Softwarelösung für eine moderne Sterbefallverwaltung eröffnet Pacemo Bestattungsinstituten eine neue Dimension der Mobilität und Flexibilität im Arbeitsalltag.

Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung und das Zertifikat!

Sonnige Grüße vom Hamburger Hafen,

Ihr Pacemo Team

 

Hinter den Kulissen: Ein paar persönliche Worte von Timm Wienberg

Ich wünsche Ihnen ein tolles und erfolgreiches neues Jahr: Glück, Gesundheit und viele sonnige Stunden und hoffe, dass Sie einen guten Start ins neue Jahr hatten!

Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen, Ihnen meine Geschichte erzählen. Mein Name ist Timm Wienberg und ich bin Geschäftsführer und einer der Gründer von Pacemo.

Wer bin ich?

Ich lebe mit meiner Frau im schönen Hamburg und genieße die frische Brise und das übermäßige Grün der Stadt, das so schön die Farben der Jahreszeiten wiedergibt, wie kaum eine andere Stadt. In meine Heimatstadt zurück zu kehren, stand für mich – auch während eines langen Aufenthalts in der Schweiz und in Süddeutschland – immer fest. Andere Entscheidungen haben sich erst durch meine persönlichen Erfahrungen gefestigt.

Ich werde oft gefragt, wie mein Kollege und Mitgründer Lennard Guth und ich auf die Idee zu einer Software für Bestattungsbetriebe kamen. Mich begleitete das Thema schon seit einiger Zeit in mehreren persönlichen Bereichen meines Lebens.

Aus eigener Erfahrung

Vor drei Jahren starb urplötzlich mein Vater. Erstmals persönlich mit der Ohnmacht und dem Schmerz des plötzlichen und endgültigen Verlustes konfrontiert, musste ich mich mit Dingen auseinandersetzen, die ein trauernder Mensch nicht allein zu bewältigen vermag. Und ich bin dankbar für die Hilfe und Unterstützung, die der Bestatter unserer Vertrauens mir und meiner Familie zu jederzeit gegeben hat.

Ich habe die Branche aber auch aus einer anderen Perspektive kennen gelernt. Meine Frau arbeitet seit vielen Jahren als Bestatterin und Sterbeamme. Daher weiß ich, dass oft kaum Zeit bleibt für das wirklich Wichtige: die Menschen. 

Durch diese Erfahrungen habe ich gelernt, dass es wichtig ist, die Vergangenheit loszulassen und mich zu fragen, was die Situation braucht, damit es weitergeht.

Herzblut und digitale Visionen

Zur Geburtsstunde von Pacemo war ich schon seit mehreren Jahren als Unternehmer aktiv und hatte durch andere Projekte bereits eine ausgeprägte Affinität für digitale Themen und neue Technologien entwickelt.

Meine persönliche Geschichte, mein Unternehmergeist und mein verstärktes Interesse für alles Digitale haben mich schlussendlich dazu bewogen, mich voll und ganz auf Pacemo zu konzentrieren und all mein Herzblut dort hinein zu stecken.

Fragen, die mich und Lennard von Anfang an beschäftigten, sind: Wie können digitale Prozesse die tägliche Arbeit erleichtern? Welche Prozesse lassen sich digitalisieren? Welche Unterstützung brauchen Bestatter in ihrem Alltag? Und wo genau liegen ihre Bedarfe? Wir haben bisher viele Gespräche mit Bestattern und Bestatterinnen geführt und eine Menge lernen dürfen. Vor allem in Hinblick auf die Entwicklung haben sich sehr viele interessante Anknüpfungspunkte gefunden, durch die wir die Software sehr genau den Bedürfnissen moderner Bestattungsinstitute anpassen konnten.

Sinn maximieren

Es gab aber auch Fragen, die mich ganz persönlich betrafen. Es ging darum, wie ich das, was ich tue, mit möglichst viel Sinn füllen konnte. Und wie ich mich als Unternehmer dabei positioniere. Denn auch das habe ich persönlich gelernt: tu das, was dich glücklich macht und zögere nicht, es zu tun. Ich habe mich bisher viel mit sinnenhaftem Unternehmertum beschäftigt und mir dabei andere moderne Unternehmen angeschaut um herauszufinden, was für eine Art Unternehmen ich führen möchte.

Ich möchte ein Unternehmen auf die Beine stellen, das wirklich eine große Auswirkung auf Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden hat. Ein Unternehmen, in dem um die Sache geht und nicht um den finanziellen Profit von Einzelnen. Ich lebe und arbeite nach dem Prinzip: Sinn maximieren, nicht den Gewinn. Diesen Leitspruch möchte ich mit Inhalten füllen.

Ich freue mich auf das kommende Jahr und möchte mich ganz aufrichtig und herzlich bei allen Kunden, Unterstützer und Freunden von Pacemo bedanken!

Ihr Timm Wienberg

Teil V: Digina16 – Konferenz zum digitalen Nachlass

Wir müssen reden.

„Wir müssen reden.“ Das war der Einleitungssatz von Sabine Landes und Dennis Schmolk, Veranstalter der Digina16. Die erste Konferenz zum digitalen Nachlass fand gestern im Bestattungsforum Hamburg Ohlsdorf, Tagungs- und Veranstaltungshaus des größten Parkfriedhofs der Welt. Doch was ist “digitaler Nachlass” und wen geht er etwas an? Ist Ihre Arbeit, Ihr  oder Ihr Privates davon betroffen? Werden Ihre Kunden neue Anforderungen stellen? Und was hat das mit der Digitalisierung der Bestattungsbranche zu tun? Um diese Fragen geht es in dem neuesten Artikel unserer Digitalisierungsreihe. Die Antworten auf diese Fragen sind größtenteils aus der Konferenz entstanden.

 

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Auf digitaler Spurensuche

Seit Pacemo am 15. September 2016 offiziell online ging, haben wir uns viel in den sozialen Medien und im Web umgeschaut auf der Suche nach Inhalten, die sich mit Digitalisierung und Bestattungen beschäftigen. Auch wenn es in der Branche bisher wenig Inhalte (Content) gibt, in dem sich direkt mit der Digitalisierung der Beerdigungs- und Bestattungsbranche auseinandergesetzt wurde, gibt es dennoch seit ein gewissen Zeit ein paar Pioniere und Unternehmen, die sich der Frage angenommen haben: „Was passiert mit den Daten nach meinem Tod?“

Die Konferenz und ihre Teilnehmer

Die Veranstalter Landes und Schmolk, die den Blog digital.danach – über Leben und Sterben im Internet gründeten, haben die Konferenz ins Leben gerufen um eine für sie längst überfälligen Austausch und Diskussion zu dem Thema anzuregen. Sie wollten reden. Über den Tod, Vorsorge, Nachsorge, eine veränderte Trauerkultur und Datengeister.
Die insgesamt sechs Vortragenden deckten ein fachlich sehr breites Spektrum ab. Von der Beraterin Birgit Aurelia Janetzky über Simone Vintz von der Stiftung Warentest, die sich mit der Verantwortung der Provider in Bezug auf digitale Hinterlassenschaften beschäftigt hat, bis hin zu einer Betrachtung aus juristischer Perspektive von Dr. Antonia Kapahnke und schließlich zu Dr. Stephan Humer, der sich dem Thema digitaler Nachlass aus Sicht der Medien- bzw. Netzwerksoziologie genähert hat. In einer zwischen den Blöcken stattfindenden Podiumsdiskussion mit dem Titel „Digitaler Nachlass: Bewahren oder löschen?“ entstand zwischen Elisabeth Noltenius (Digital Heritage), Christoph Hübner (anera), Dr. Christopher Eiler (Columba) und Kai Lociks (Bestatter) eine hitzige Diskussion, die sich weniger um die Titelfrage, sondern vor allem um die Frage „Vor- oder Nachsorge?“ drehte.

Alle Diskussionspartner waren Sponsor des Events und – so der persönliche Eindruck – wahrscheinlich auch daran interessiert, ihr Angebot möglichst glaubwürdig zu vermarkten. Einzig und allein Kai Lociks und Moderator Schmolk schienen nichts verkaufen zu wollen. Vor allem der Geschäftsführer des Nachsorgeanbieters Columba, der bereits mit vielen Bestattungsinstituten eng zusammen arbeitet, betonte die wichtige Funktion des Bestatters, der auf viel persönlichere Art und Weise an den Kunden herantreten könnte.

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Digitaler Nachlass: Ein großes Thema mit viel Potenzial

Ein neues Thema für Bestattungsinstitute

Dennoch fand man unter den Teilnehmern kaum Bestatter. Kai Lociks, der als erster Vorsitzender des Verbandes unabhängiger Bestatter sogar Sponsor des Events war, blieb vorerst der einzige Vertreter seiner Branche.
Bevor Lociks Bestatter wurde, hatte er lange für ein IT-Unternehmen gearbeitet. Er setzt sich für die Digitalisierung der Branche ein und weiß um die Schwierigkeiten, die das Sensibilisieren der Beerdigungsbranche für das Thema, mit sich bringt. Denn „Viele Bestatter auf dem Land haben weder eine E-Mail-Adresse, noch eine Homepage. Für einzelne Kollegen ist ein Faxgerät schon Hexenwerk. Wenn ich gar nicht weiß, dass ein Problem überhaupt existieren kann, kann ich natürlich auch wenig dagegen tun.“ so Lociks. Genau das von ihm beschriebene Problem scheint das Bindeglied zu unserem Thema „Digitalisierung der Bestattungsbranche“ zu sein.
In seiner Funktion als Podiumsdiskussionspartner und Sponsor des Events schien er sein Anliegen deswegen umso wichtiger zu nehmen. Abr auch er betonte die wichtige Rolle des Bestatters in Bezug auf die Vor- und Nachsorge des digitalen Nachlasses.

Kein neues Thema für Andere

Zu Beginn unserer Recherche stießen wir auch auf eine der PionierInnen dieser neuen Debatte: die oben bereits erwähnte Beraterin Birgit Janetzky. Für die freie Theologin und Trauerrednerin ist das Thema jedoch längst nicht so neu, wie für die meisten. Nicht nur deshalb hatte sie sich den Platz als erste Rednerin der Konferenz redlich verdient. Während das Thema digitaler Nachlass gerade im letzten Jahr auf ein mal in den Medien sehr präsent besprochen wurde (vermutlich auch deshalb, weil das wirtschaftliche Potenzial von Firmen und Investoren erkannt worden ist), hat Janetzky in ihrem Vortrag diverse Anbieter aufgezeigt, die schon im letzten Jahrzehnt versucht haben sich mit der digitalen Nachlassverwaltung am Markt zu etablieren. Die meisten von diesen Anbietern, so zeigte Janetzky, sind so schnell verschwunden, wie sie gekommen sind. Nur wenige sind am Ball geblieben. Wie auch Christoph Hübner, der bereits 2007 mit einem ersten Vorsorge-Angebot startete, jedoch erst jetzt mit einem starken Vorsorge-Partner, der Allianz, und dem gemeinsamen Projekt anera durch gestartet ist.
Ein wichtiger Punkt ist also der richtige Zeitpunkt. Und deshalb müssen wir – so waren sich hier Alle einig – reden.

Wo geht die Reise hin?

Janetzky ist sich sicher, dass in 10 bis 20 Jahren das Thema digitaler Nachlass für Alle ein Thema sein wird. Denn die jetzt 45- bis 65-Jährigen werden Enkel haben, die der Generation der „Digital Natives“ angehören und selbst mit Computern Erfahrung gemacht haben.
Auch Janetzky arbeitet eng mit Bestattern zusammen und setzt sich für eine offene Trauerkultur ein, die sich nicht auf die analoge Welt beschränkt. So fasst sie die Branche auch nicht mit Samthandschuhen an: „Bestattungsunternehmen tun gut daran, die Auswirkungen der Digitalisierung nicht zu verschlafen. Die Regelung des digitalen Nachlasses ergänzt gut die Abmeldungen bei Rente und Krankenkasse. Sterbefall und Sterbedaten sind verlässlich, das ist ein Vorteil für die Abwicklung. Das Thema kann ein Bestattungsunternehmen gut zur Kundenbindung einsetzen.“
Auch laut Hübner müssten sich Bestatter in der Zukunft in zwei Bereichen stärker strategisch aufstellen: erstens in der Trauerbegleitung und zweitens in der Vorsorge.

Im Gegensatz zu der Mehrheit der Teilnehmer, sieht der Bestatter Lociks die Zeit noch nicht gekommen, auch wenn er die Wichtigkeit des Themas erkannt hat. Das durchschnittliche Alter seiner Sterbefälle liegt momentan bei 75+. Eine Generation, die nichts mit Kondolenzseiten, eigener Trauerhomepage, QR-Code auf Grabsteinen und „weiterem digitalen Firlefanz“ (so Lociks) anfangen kann. Seine Argumente klingen nach einem gesunden Mittelweg zwischen Offenheit fürs Digitale und Rückbesinnung auf das Analoge nach dem Motto „vergesst auch nicht, mich zu vergessen!“.

Unser Fazit: ein versöhnlicher Kurs. Der individuelle Umgang mit dem Nachlass sollte nach wie vor im Mittelpunkt der Begleitung durch den Bestatter stehen. Egal ob analog oder digital oder in Zukunft beides zusammen. Und selbst bis dahin ist es noch ein langer Weg. Die Digitalisierung verschlafen sollte die Bestattungsbranche aber nicht. Denn wie heißt es so schön: nur der frühe Vogel fängt den Wurm;-)

 

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Ein paar Fragen an die Gründer von Pacemo

(Dies ist ein Ausschnit aus einem auf Lexoffice erschienenen Artikel. Klicken Sie hier, um den gazen Artikel zu lesen.)

Das Team von Pacemo hat also momentan alle Hände voll zu tun. Umso mehr freuen wir uns darüber, dass Timm und Lennart – Gründer der Pacemo GmbH – die Zeit für ein Interview mit lexoffice gefunden haben.

Florian: Moin! Bitte stellt euch doch mal kurz vor.

Timm: Moin, ich bin Timm Wienberg, Unternehmer aus Leidenschaft und ein gebürtiger Hamburger Jung. Zusammen mit meinem Kollegen Lennart Guth bilden wir das Gründerteam der Pacemo GmbH. Lennart?

Lennart: Ja, das bin ich. Hamburg ist erst seit kurzem meine (vorübergehende) Heimat. Ursprünglich komme ich aus Frankfurt, habe aber in den letzten beiden Jahren eher das Leben eines digitalen Nomaden geführt. Das ist ein großer Vorteil, wenn man Entwickler ist. Man kann auch von Kuala Lumpur oder Neuseeland aus arbeiten. Die erste Idee zu Pacemo ist tatsächlich dort entstanden.

Florian: Oha, das klingt spannend! Wie kamt ihr denn auf diese Idee?

Lennart: Ich wollte mich schon immer selbstständig machen und war seit Längerem auf der Suche nach einer Branche, die eine moderne Softwarelösung sucht. Über Umwege wurde ich auf das Thema Bestattungsdienstleistungen aufmerksam. Und damit auf eine Branche, in der aufgrund einer aufwendigen Administration häufig nicht viel Zeit für die eigentliche Arbeit bleibt.

Die Fragen, die mich seitdem beschäftigten sind: Welche Prozesse lassen sich digitalisieren? Welche Unterstützung brauchen Bestatter in ihrem Alltag? Und wo genau liegt ihr Bedarf?
Vor diesem Hintergrund entwickelte ich eine erste Version von Pacemo und traf auf der Suche nach Antworten auf meinen heutigen Geschäftspartner Timm.

Timm: Das Thema Bestattungen war mir nicht neu. Meine Frau arbeitet selbst als Bestatterin und Sterbeamme. Daher weiß ich, dass die Tätigkeit durch Formalien und eine unglaubliche Fülle an Bürokratie geprägt ist und oft kaum Zeit für das wirklich Wesentliche – die Menschen – bleibt. Da ich mich vor drei Jahren, als mein Vater unerwartet starb, selbst mit diesem Problem konfrontiert sah, entstand in der Folge die Vision einer innovativen Softwarelösung für Bestattungsunternehmen. Auf den gleichen (digitalen) Pfaden wandelnd, sind Lennart und ich uns 2014 im Internet begegnet und haben dann kurzerhand beschlossen diesen Weg gemeinsam zu gehen. Da ich selbst auch vor einigen Jahren eine Zeitlang in Neuseeland gelebt habe, waren wir schnell persönlich ebenfalls auf einer Wellenlänge.

Florian: Ok, Ihr seid also die Pacemo CoFounder – habt Ihr denn noch mehr Mitarbeiter?

Lennart: Anfang des Jahres wurde uns klar, dass die Bedeutung und der Umfang des Projektes an Gewicht zunehmen und dass wir das Tempo alleine nicht würden halten können. Deshalb haben wir einen zusätzlichen Web-Entwickler eingestellt. Aus einem wurden schnell zwei. Unser Team wächst seitdem stetig und arbeitet auf Hochtouren um Pacemo bis ins kleinste Detail auf die Bedürfnisse und Anforderungen moderner Bestattungsinstitute anzupassen. Aktuell ist das Entwicklungsteam fünfköpfig und verteilt sich auf ganz Europa.

Timm: Anfang September haben wir uns auch Verstärkung für den Bereich Marketing und Kommunikation ins Boot geholt. Wir probieren hier gerade ein Tandem, also eine geteilte Vollzeitstelle, aus.

Zum einen, weil wir so zwei Kompetenzen in einer Stelle vereinen können und weil wir an die unzweifelhaften Benefits von Teamarbeit glauben. Und zum anderen, weil wir selbst große Verfechter von alternativen Arbeitskonzepten sind und uns selbst in die Kategorie Social Entrepreneurship einordnen würden. Die Verantwortung und Authentizität als Unternehmer gegenüber unseren Kunden und unseren Mitarbeitern nimmt für uns einen hohen Stellenwert ein.

Florian: Es ist ein spannender Markt, in dem Ihr Euch da bewegt – erzählt uns doch mal was darüber, welchen Herausforderungen Ihr Euch stellen müsst.

Lennart: Wir möchten Bestattern eine Unterstützung bieten und gleichzeitig den realen Anforderungen moderner Bestattungsunternehmen gerecht werden. Gerade in Hinblick auf die Produktentwicklung ist das Feedback mit Bestattern vor Ort extrem wichtig und da sprechen wir natürlich mit Vertretern beider Strömungen. In regelmäßigen Test- und Gesprächsrunden plaudern dann die Bestatter aus dem Nähkästchen und geben auch mal einen kleinen Monolog zur alkalischen Hydrolyse (Auflösung der Leiche in Lauge) zum Besten. Das ist natürlich am Anfang erst mal harter Tobak. Irgendwann gewöhnt man sich aber an diese Art der Konversation.

Florian: Und wie sieht es jetzt aus: Wo geht die Reise hin?

Lennart: Seit ein paar Tagen ist eine Basisversion von Pacemo als MVP (Minimal Viable Prouduct) der Software online. Wir arbeiten aber laufend an einer Erweiterung der Module. Aus unseren Feedbackgesprächen wissen wir zum Beispiel, dass die Funktionen Trauerdruck und Mobilität für den modernen Bestatter eine große Rolle spielen.

Florian: Die Idee ist einleuchtend, der Bedarf klar erkennbar. Aber wie sieht es mit Konkurrenz auf diesem Markt aus?

Lennart: Da sind ein paar große Softwareanbieter, die eine Art Monopolstellung in der Branche einnehmen. Deren Programme haben teilweise viele Funktionen, was ja prinzipiell nicht verkehrt ist, die aber im Bestatteralltag nicht unbedingt anwendbar sind und somit eher das Potential haben, die Organisation zu verkomplizieren anstatt sie zu vereinfachen. Es gibt aber auch spezialisierte und kleine Anbieter. Viele dieser Programme sind allerdings noch immer nicht adäquat auf Apple Geräten oder noch weniger auf einem Tablet oder iPad nutzbar.

Auch eine cloudbasierte Softwarelösung gibt es bisher nicht. Diesen Problemen haben wir uns mit Pacemo bewusst gewidmet. Unsere Software ermöglicht es seinen Nutzern, auch von unterwegs auf alle wichtigen Informationen aus der Cloud zuzugreifen. Weil es sich bei der Software um eine „Software as a Service“ handelt, müssen Bestatter sie nicht auf ihrem Rechner installieren, um sie nutzen zu können. Es gibt Anbieter, die den Kunden ihre Software immer noch per Diskette bereitstellen. Bei Anderen wiederum entstehen laufende Kosten durch eine Mehrplatznutzung oder für Schulungen und Updates.

Timm: Der Alltag eines Bestatters ist überladen genug, weshalb wir uns zum Ziel gemacht haben, die Einfachheit zurück in den beruflichen Alltag zu bringen. Und das spiegelt sich sowohl in der Struktur, als auch im Design von Pacemo wieder. Wir möchten Abläufe vereinfachen und eine aufwendige und papierlastige Administration durch digitale Prozesse ersetzen. Der Bestatter vor Ort ist der wichtigste Ansprechpartner für Angehörige, die einen nahestehenden Menschen verloren haben. Mit Pacemo erhalten unsere Kunden die Möglichkeit, sich wieder voll und ganz auf Ihre Arbeit zu konzentrieren.

Florian: Herzlichen Dank an Euch beide, dass Ihr Euch die Zeit für dieses Interview genommen habt. Wir vom lexoffice Team drücken Euch alle verfügbaren Daumen für die heiße Startphase von Pacemo!

MEIN ERSTES MAL auf der BEFA

Unsere neue Mitarbeiterin Mayka gibt euch einen exklusiven Bericht über ihren ersten Besuch auf einer Bestattungsfachmesse.

Es ist Freitag, der 07.10.16 und es nieselt, als wir in Berlin am Estrel Hotel ankommen. „Pacemo GmbH. Wir wollen zur BEFA. Aufbauen.“ Der Einweiser runzelt die Stirn und antwortet mit tiefstem Berliner Dialekt „Wat it’n ditte?“ Die Antwort kommt wie aus einem Munde: „Bestatterfachmesse!“. Der Aha-Gesichtausdruck schiebt sich auf sein nettes Gesicht. Er bittet uns noch etwas abseits zu warten, weil hinten noch ein LKW ausgeladen werden muss. Das Kopfkino beginnt. Eine LKW Ladung Särge? Leichenwägen? Wie viel Urnen passen in einen LKW?

Neben uns warten ein paar Mittfünfziger mit langen Haaren und abgerockten Jeansjacken. Bestatter? So hab ich mir die nicht vorgestellt. Aber gut, die werden ja auch nicht alle gleich aussehen.

Nachdem sich hinter uns langsam ein Autokorso sammelt, bittet ein anderer Einweiser uns, unsere Instrumente rechts oben vor dem Hoteleingang auszuladen. Instrumente? Oh jemine, das Kopfkino rattert weiter. Der eine Langhaarige mit der Jeansjacke kapiert sofort und steigt in seinen Renault Kangoo. Nun sehe ich auch das Schild am Tor: „The Holy Grail“. Ein passender Name für eine Bestattermesse aber ich meine mich zur erinnern, dass die offizielle Bezeichnung „Forum BEFA“ lautet. Als ich dann oben rechts sehe, wie der Langhaarige ein paar Urnen auslädt, die wie Gitarrenkoffer aussehen, bekomme ich meine Zweifel. Ich schaue noch mal zum Tor und als ich den Untertitel sehe, dämmert es mir langsam. Eine Gitarrenmesse!

Elvis is alive

Nun bewegt sich auch das Auto vor uns und ich sehe die Plakate vor dem Eingang des Estrel Festival, auf denen in großen Lettern „Stars in Concert“ steht. Das ist doch die Show in der Musiklegenden wie Elvis Presley, Whitney Houston bis hin zu Amy Winehouse auftreten. Aber die sind doch alle tot? Ja, dann passt das ja. Tatsächlich sollen hier heute Abend die besten Doppelgänger der Welt auftreten. Glamour pur nur 100 Meter entfernt von unserem Ziel.

Es kommt Bewegung in die Sache – der LKW ist weg und wir dürfen weiterfahren. Zur Bestattermesse müssen wir einmal ganz rum um das „Festival“. Der Stars-in-Concert-Festival-Gitarren-Charme ist verflogen und ich finde mich am Eingang einer riesigen Messehalle, so groß wie zwei Fußballfelder, wieder. Helle Beleuchtung, überall fleißiges Treiben und hier mal ein Sarg oder da mal ein paar Urnen. Messestände werden aufgebaut, Vorhänge gebügelt und Stehtische mit weiß glänzenden Hussen hin- und her geschoben. Unser Messestand befindet sich auf der anderen Seite der Messehalle (wo sonst?). Gott sei Dank haben wir ein super einfach zu transportierendes und aufzubauendes Messesystem (Danke an CleverFrame) und so ist der Aufbau schnell erledigt.

Währenddessen habe ich schon mal die Möglichkeit mich ein wenig umzuschauen. Fleißige Helferlein sind dabei riesige Rollen roten Teppichs zu verlegen. Gegenüber von unserem Messestand hat ein Ehepaar ihre neueste Kollektion Holzsärge aufgebaut. Ein neues Highlight (so wie er dort zur Schau drapiert wird) scheint der weiße Sarg mit Kordeln im Regenbogen-Design zu sein. Gay-Pride? Ich glaube eher nicht. Der Regenbogen ist in der christlichen Welt ein Symbol für den Bund zwischen Gott und den Menschen. Also zwischen Himmel und Erde. Ach herrje – wie passend!

Ich träume von fliegenden Särgen

Schräg links gegenüber ist ein Messestand auf den in schnörkeliger Handschrift „Himmelsfähre“ steht. Der Rest ist mit grünen Fleecedecken verhängt, befestigt mit schwarzem Gaffatape. Was sich darunter verbirgt werde ich morgen herausfinden. Und da ich mir nicht die Überraschung verderben möchte, packe ich meinen kleinen Trolli und fahre in mein heutiges Übernachtungsquartier in Berlin Mitte. Nach einer echten Berliner Boulette mit Saurer Gurke und Kartoffelsalat, falle ich in einen träumereichen Schlaf. Fliegende Särge (kein Scherz!), ein wilde Party und die Angst zu verschlafen, lassen mich um 06:23h ohne Wecker aufwachen. Ich nehme meinen Trolli und mache mich wieder auf den Weg zur Sonnenallee, Neukölln. Um 08:07 Uhr komme ich am Estrel Hotel an, wo schon Trubel herrscht. Die Guitar Heroes von gestern sind auch schon da.

Mittlerweile ist auch schon der rote Teppich verlegt. Mit Gaffatape, versteht sich von selbst. Um 09:00 Uhr ist offizieller Start für die Besucher. Also wird noch mal hier ein bisschen gebügelt, und da gezupft bis alles sitzt. Auf unserem Stand werden noch schnell iPad, iMac, MacBook (Apple sollte unseren Messestand bezahlen) und der Windows Laptop unseres CTOs (er ist nicht so der Apple Fan) aufgebaut und mit WLAN verbunden. Da unser Produkt eine Software ist, sind das unsere Herzstücke.

Kleine Schiffe in rosa, blau und weiß

Nachdem ich mir mein Namensschildchen angesteckt habe, schau ich mich erneut um. Die Himmelsfähre hat den grünen Fleecevorhang gelüftet und was nun sichtbar wird, lässt mich zum ersten Mal schwer schlucken. Mit einem Kloß im Hals betrachte ich die kleinen Schiffe in rosa, blau und weiß, und mit der Erkenntnis füllen sich meine Augen mit Tränen. Es sind kleine Särge, liebevoll designt und gebaut für totgeborene Föten, Säuglinge und Frühchen, die es nicht geschafft haben. Als Mutter eines kleinen Sohnes geht mir das sehr nahe. Trotz der mich soeben überwältigten Emotionen, bemerke und schätze ich die gefühlvolle und ästhetische Beschäftigung mit diesem schwierigen Thema.

Es ist kurz vor neun und die Aussteller besprechen sich ein letztes Mal und postieren sich auf ihren Flächen. Um punkt 09:00 Uhr erklingt die Durchsage: „Willkommen zur 15. Bestatterfachmesse im Estrel Hotel Berlin“ und nur Sekunden später strömen die Besucher in die Halle. Unser Stand B8 befindet sich direkt zwischen Eingang und Halle, das heißt jeder Besucher muss an uns vorbei. Die ersten neugierigen Blicke treffen uns und so haben wir schnell ein paar Interessenten auf unserem Stand. Leute aller Couleur aber doch überwiegend Männer.

Men in Black

Ich fange die Blicke zweier gut gebauter Mittdreißiger in teuren und gut sitzenden (schwarzen) Anzügen auf. Ich lotse sie an einen unserer Stehtische und demonstriere ihnen, wie einfach und intuitiv Pacemo zu nutzen ist. Nach einer kleinen Einführung meinerseits fragt der größere und ältere der beiden „Sie haben da Bestattersoftware der neuen Generation stehen. Was kann Ihre Software denn, was andere nicht können?“ Ich antworte stolz: „Sie ist cloud-basiert und deshalb immer und überall nutzbar. Auch auf dem iPad.“ Ich dachte ich sei gut vorbereitet. Ich dachte, damit hätte ich ihn. Aber er reagiert nur mit einem skeptischen Gesichtsausdruck. Ich erzähle ihm, wie wir die Branche ins digitale Zeitalter begleiten und die regionale Bestattungskultur stärken wollen. Nichts. Dann wiederholt er „Noch mal ein Schritt zurück. Was kann ihre Software, was andere nicht können?“ Ich bin verunsichert. Dann frage ich zurück: „Was soll ihrer Meinung nach denn die Bestattersoftware der neuen Generation können?“ Er antwortet: „Buchhaltung“. Ich denke nur ,such dir doch ne Buchhaltungssoftware’ und sage: „Das ist in Planung. Wir brauchen aber noch etwas Entwicklungszeit. Sie müssen sich vorstellen, dass wir für die jetzige Version nur acht Monate gebraucht haben. Das ist sehr schnell.“, doch er zeigt sich wenig überzeugt und lässt mich mit den Worten stehen „Ihr hättet bis nächstes Jahr warten sollen“.

Bis auf diese eine skeptische Ausnahme, mit der ich einen nicht ganz so guten Start gemacht habe, bin ich überwältigt von der freundlichen Schüchternheit der Interessenten. Wir bekommen unheimlich viel nettes Feedback für die Software und viel Lob für das Design.

Irgendwann muss ich mir mal die Beine vertreten und starte meinen ersten Rundgang durch die komplette Ausstellung. Ich sehe viele ältere Herren, die genau meinem Klischee von Bestattern entsprechen aber auch viele junge Frauen und Männer, die so gar nicht darein passen wollen. Und das stimmt mich heiter.

Urnen, Särge und Diamanten

Ich laufe an jeder Menge Messeständen mit Urnen und Särgen vorbei, die in der Produktplatzierung Platz 1 und 2 einnehmen. Dahinter folgen aber gleich die Händler und Hersteller von Leichenwagen. Als sich gerade eine gewisse Rationalität anhand der gesehenen Produkte einstellen möchte, laufe ich an einem großen Plakat vorbei. Auf diesem ist eine riesengroße Kolonne von weißen Leichenwagen auf einer scheinbar gesperrten Autobahn zu sehen. Das kommt mir merkwürdig vor. Mein Kollege klärt mich auf, dass die Firma vor dessen Messestand ich gerade stehe, damals die 16 Wagen umgebaut und bereit gestellt hat mit denen die 16 Opfer des Germanwings Absturzes nach Deutschland überführt worden waren. Das Foto auf dem Plakat ist dort entstanden. Mich überkommt erneut ein mulmiges Gefühl.

Auf meinem Streifzug durch die Reihen der Halle komme ich noch an einem Stand für Erinnerungsdiamanten, bei dem aus der Asche eines geliebten Verstorbenen ein Diamant gepresst wird, an Flächen auf denen für Bedarf für Thanatopraktiker (Bestatter, die sich um die ästhetische und hygienische Versorgung oder Rekonstruktion des Verstorbenen kümmern) beworben wird und an einem Stand, auf dem Kühlungssysteme vorgestellt werden, vorbei. Auch hier hat man sich dem Thema Kindstod angenommen und so zur Demonstration ein Babybettchen aufgebaut, in das man ein Kühlsystem eingebaut hat. Wieder ein Schauer.

Mit gutem Gefühl heimwärts

Ich beende meinen Messerundgang und finde mich wieder in unserem Messestand ein. Ein paar Stunden und viele weitere nette Gespräche später, scheint das Groteske schon gar nicht mehr so grotesk und es setzt eine angenehme Gelassenheit ein. Ich ziehe den Hut vor all den Menschen, die sich dem Thema Bestattungen gewidmet haben. Ein Thema, um das in unseren Breitengraden immer noch viel herum gedruckst wird. Nicht so hier. Hier sagt man, was man denkt. Aber trotzdem höflich und freundlich. Das Feedback der Besucher auf uns junge „Frischlinge“ war im Großen und Ganzen sehr positiv und ehrlich. Wir können mit dem Gefühl heimfahren, auf dem richtigen Weg zu sein, haben aber auch viele Hausaufgaben im Gepäck. Und eines ist ebenfalls gewiss: das wird auf jeden Fall nicht meine erste und letzte Bestattermesse bleiben. Todsicher!

 

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