Interview mit Bestatter Nico Sobotta: „Die Branche kann ein verdammtes Haifischbecken sein“

Der Beruf des Bestatters avanciert zu einem Trend-Beruf. Immer mehr junge Männer und Frauen entscheiden sich bewusst für die Arbeit mit dem Tod. Da gibt es jene, die irgendwann den Familienbetrieb übernehmen wollen, aber auch die, die eine persönliche Geschichte zum „Traumberuf“ Bestatter geführt hat.

Nico Jan Sobotta ist so einer. Der junge Bestatter hat sich mit dem Trauerhaus Sobotta in Essen selbstständig gemacht und sich damit einen Traum erfüllt. Doch der Sprung in die Selbstständigkeit ohne den Erfahrungsschatz und stabilem finanziellen Hintergrund eines Familienbetriebes, ist nicht immer ganz einfach.

Wir haben mit der Essener Frohnatur über Konkurrenzdruck in der Bestattungsbranche, Tipps für die Selbstständigkeit und die zentrale Rolle von Marketing für Bestattungsinstitute gesprochen.

 

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Nico Sobotta vom Trauerhaus Sobotta bei einer Aktion der Sendung mit der Maus

1. Du hast in der Ober- und Landesliga Fußball gespielt und in der Medienbranche gearbeitet. Wie und wann bist du zum Beruf des Bestatters gekommen?

Es gab eine Zeit nach dem Abitur in der ich gut vom Fußballspielen leben konnte, meistens habe ich aber noch nebenbei als Barkeeper oder Promoter gearbeitet, einfach weil es mir Spaß macht unter Leuten zu sein und andere für eine Sache zu begeistern. Irgendwann habe ich dann auch bei einem Freund, der ein Bestattungsinstitut in der Region hat, ausgeholfen. Da habe ich dann sozusagen meine Berufung gefunden. Außerdem haben persönliche (und eher schlechte) Erfahrungen mit dem Bestattungswesen dazu beigetragen, dass ich Bestatter werden und es besser machen wollte.

 

2. Wann wurde dir klar, dass du deinen eigenes Bestattungsinstitut aufmachen möchtest?

Nach der Aushilfstätigkeit bei dem bereits erwähnten befreundeten Bestattungshaus habe ich 2011 mit knapp 23 Jahren die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft angefangen. Schon in den ersten Monaten der Ausbildung bekam ich eine klare Vorstellung von dem, was ich machen wollte. Leider war ich nicht sehr glücklich in meinem Ausbildungsbetrieb. Ganz im Gegensatz dazu, wollte ich ein modernes, offenes und freundliches Trauerhaus aufmachen und mein eigener Herr sein. Außerdem wollte ich einen Ort schaffen, in dem alle Wünsche der Kunden zumindest erhört und, wenn möglich, erfüllt werden – und sei es eine „Motorrad-Beerdigung“. Deshalb ist auch der Leitspruch unseres Trauerhauses: Individualität über den Tod hinaus. Eine Beerdigung sollte so einzigartig sein, wie das Leben des Verstorbenen.

 

3. Gab es auch Momente, in denen du alles hinschmeißen wolltest?

Nein, nicht ernsthaft. Klar, gab es auch mal Probleme. Aber die meisten Probleme sind da, um gelöst zu werden. Allerdings kann die Branche manchmal ein verdammtes Haifischbecken sein – gerade zu jungen und moderneren Bestattern. Ich habe allerhand Seitenhiebe, Sticheleien und auch gezielte Manipulationen einstecken müssen. Aber das hat mich nur noch mehr in meinem Handeln bestärkt. Mein Motto ist: Wenn eine Tür zu geht, geht eine bessere auf.

 

4. Was würdest du jungen Frauen und Männern empfehlen, die BestatterInnen werden wollen, empfehlen?

Auf jeden Fall sollte jeder vorher ein Praktikum oder so machen um in die Arbeit hinein zu schnuppern. Nicht jeder kommt mit den Themen Tod und Sterben klar. Und auch der einfühlsame und respektvolle Umgang mit den Angehörigen, der für mich eine sehr wichtige Rolle spielt, liegt nicht jedem.

 

5. Welche Tipps würdest du BestatterInnen, die sich selbstständig machen wollen, geben?

Auf jeden Fall sollte sich jeder, der ein eigenes Beerdigungsinstitut aufmachen möchte, sehr gut vorbereiten und sich bei Dingen Hilfe holen, die man selbst nicht kann oder vorher noch nicht gemacht hat. Ich habe zum Beispiel mit Hilfe eines Businesscoachs einen Businessplan erstellt.

Auch mit Möglichkeiten der Finanzierung habe ich mich ausführlich auseinandergesetzt.

Nebenbei habe ich mich selbst sehr viel mit den Themen Psychologie und Trauer beschäftigt. Meine Schwester, die Sonderpädagogik studiert hat, habe ich immer die Psychologie Bücher geklaut und dann verschlungen. Das hat mir sehr gut dabei geholfen, mein Gegenüber und seinen sozialen Background besser einzuschätzen und zu erkennen, in welcher Trauerphase sich die Angehörigen gerade befinden. Sich also Dinge anzueignen, die wichtig für den Beruf sind, und die einem in der Ausbildung nicht beigebracht worden sind, finde ich wichtig.

Der wichtigste Rat von allen ist allerdings: sich nicht unterkriegen lassen!

 

6. Welche top 3 Fähigkeiten braucht man als Inhaber eines eigenen Bestattungsinstitutes?

Einfühlsamkeit, Durchhaltevermögen und ganz wichtig: Ideenreichtum. In der Brache ist der Konkurrenzdruck sehr hoch. Deshalb ist es umso wichtiger, eine Nische zu finden und Dinge anzubieten, die andere noch nicht in ihrem Angebot haben. Oder eben Dinge möglich zu machen, die der alteingesessene Bestatter in der Region wahrscheinlich nicht mache würde. Wenn der Vater in seinem geliebten Adidas-Traininganszug beerdigt werden wollte, dann erfülle ich der Familie selbstverständlich diesen Wunsch.

Ich bin immer auf der Suche nach neuen Produkten und versuche immer mit der Zeit zu gehen und neue Trends in der Trauerkultur mit aufzunehmen.

 

7. Welche Rolle spielt für dich Kommunikation & Marketing und woher nimmst du dein Wissen?

Eine sehr große Rolle, ohne das funktioniert es nicht. Man muss dafür sorgen, dass man wahrgenommen wird und darauf achten, wie man wahrgenommen wird. Ich möchte, dass man sich im Trauerhaus Sobotta richtig wohl und gut aufgehoben fühlt und das natürlich auch weitergibt.

Ich habe durch meine früheren Tätigkeiten sehr viele gute Kontakte bekommen und auch einiges an Erfahrung im Bereich Promotion und Marketing sammeln können. Außerdem ist man als junger Mensch ja sowieso mit den sozialen Medien vertraut, so dass ich und das Trauerhaus Sobotta natürlich auch bei Facebook und Co  vertreten sind.

Gerade am Anfang ist es sehr wichtig, viel Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Ich fahre oft ins Pflegeheim und informiere dort über unsere Vorsorge-Angebote und manchmal habe ich auch einfach nur ein offenes Ohr für die Bewohner.

Toll ist, dass ich meine Tätigkeit super mit sozialen Engagement verbinden kann. Ich engagiere mich ehrenamtlich im Netzwerk Hopes Angels, das Eltern die Sternenkinder erwarten oder bekommen haben, zur Seite steht. Auch weil ich selbst einen kleinen Sohn habe, liegen mir vor allem Projekte für Kinder sehr am Herzen.

Im Oktober letzen Jahres haben wir zum ersten Mal gemeinsam mit „Der Sendung mit der Maus“ die Türen des Trauerhauses für Kinder geöffnet. Zusammen haben wir uns auf kindgerechte Weise dem Thema Leben und Sterben gewidmet.

Da ich sehr verwurzelt in der Region bin, engagiere ich mich auch für regionale Projekte, wie zum Beispiel eine Spendenaktion für Essens Obdachlose.

 

8. Du hast selbst eine kleine Familie. Wie lässt sich die Arbeit im Trauerhaus und das Familienleben vereinen? Gibt es so etwas wie eine „Work-Life-Balance“?

Bisher klappt es super! Ich habe das Glück, dass meine Frau sehr viel Verständnis für meinen Beruf und dass ich 24-Stunden erreichbar bin, hat und auch oft mit anpackt.

 

9. Was ist das wichtigste Tool, Programm, Hardware, das dir in deinem Alltag hilft?

Natürlich in erster Linie mein Handy und mein Computer. Ich finde es auch wichtig, regelmäßig die Unternehmensseite auf Facebook zu pflegen und dass die Homepage stets aktuell ist. Denn heute ist es ja ebenso wichtig, dass man auch online gut gefunden wird und sich ansprechend präsentiert. Manchmal denke ich, dass man da als junger Mensch schon einen Vorteil hat.

 

10. Und jetzt eine abschließende Frage: kannst du dir vorstellen, Pacemo – die moderne Bestattersoftware – für die Sterbefallverwaltung zu nutzen?

Ja, natürlich;-) Das was ich bisher gesehen habe, sieht super aus. Gerade weil die Software nicht installiert werden muss und ich sie von überall nutzen könnte, wäre sie perfekt.

Momentan arbeite ich noch mit Excel-Listen und Word und mit einem kleinen Programm, das mir bei der Rechnungsstellung hilft.

Die kostenlose Testversion von Pacemo lasse ich mir natürlich nicht entgehen und ein kostenreduziertes Angebot für Gründer klingt auch gut.*

 

Vielen Dank, Nico Sobotta vom Trauerhaus Sobotta, für das nette Gespräch und alles Gute!

 

*Anmerkung der Redaktion: Seit dem 01.01.2017 haben wir für Gründer und Jungunternehmer der Bestattungsbranche ein spezielles und kostenreduziertes Angebot. Sprechen Sie uns einfach an: 040/22866077